Pilgerstation Coesfeld

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

St.Jakobus-Statue mit Reliquiar

‚Pilgerstation Coesfeld’ ist der erste von insgesamt drei Artikeln, die das Resultat eines Besuches in der etwa 60 Kilometer nördlich von Bottrop gelegenen Stadt Coesfeld sind. Anlass für den Besuch war zunächst die Überlegung, dass Bottrop im Mittelalter mit der Kommende Welheim im Schnittpunkt zweier Pilgerrouten gelegen haben dürfte. Mit dem Hellweg gab es eine Ost-Westachse, in nördlicher Richtung war Coesfeld mit der Kirche St. Jakobi eine bedeutende Station für die Pilger. So lag also ein Besuch von Coesfeld nahe.

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Coesfeld - Marktplatz

Der zweite Artikel wird dem Besuch bei Pfarrer Dieter Frintrop gewidmet sein. Er war Pfarrer der Gemeinde St. Jakobi, einer Gemeinde, die mittlerweile im Zuge einer Fusionierung nicht mehr besteht.

Der dritte Artikel handelt von Pfarrer Frintrops eigenem Pilgerweg von Coesfeld nach Santiago de Compostela, womit er wahrscheinlich der erste Pastor in der 800jährigen Geschichte der Gemeinde war, der den ganzen Jakobusweg zu Fuß zurückgelegt hat.

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Rekonstruktion der Jakobikirche, Archiv Wilhelm Wenning

Doch zunächst zum ersten Artikel, dem Besuch in der Kirche St. Jakobi, wobei es hier nicht um eine Gesamtbeschreibung der Kirche gehen soll, sondern insbesondere um die Jakobusverehrung.

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Jakobus-Relief mit den Wegstationen

Am Eingang des spätromanischen Stufenportals weist ein Bronzerelief auf die Bedeutung der Kirche im Mittelalter hin. Neben der Figur des Hl. Jakobus sehen wir eine Karte mit den Wegestationen von Coesfeld nach Santiago. Der Text lautet: „Die St. Jakobikirche war im Mittelalter ein Sammelpunkt für Pilger zum 2672 KM entfernten Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.“ Im ersten Turmgeschoss der im Krieg völlig zerstörten Kirche konnten Pilger für maximal drei Tage Aufenthalt finden. 

Die Statue des Kirchenpatrons St. Jakobus ist von 1696, also der Zeit des Barock. Auffallend ist die bewegte, sozusagen im Aufbruch befindliche Haltung. Die Zeichen der Pilgerschaft sind Stab, Tasche, Kürbisflasche, Pilgermantel, breitkrempiger Hut. Hut und Mantel sind mit Muscheln besetzt. Die Statue hat die vollständige Zerstörung der Kirche Ende des Zweiten Weltkrieges nahezu unversehrt überstanden.

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Reliquiar in der Stele der Jakobus-Statue

Etwas ganz Besonderes ist das Reliquiar. 1988, mit dem Abschluss des Weges nach Santiago, war es Pfarrer Frintrop gelungen, eine vom Vatikan als ‚echt’ bestätigte Reliquie des hl. Jakobus zu erhalten. Die Reliquie wurde am 20. August 1989 im Sockel der Jakobus-Statue feierlich beigesetzt.

Am 25. Juli jeden Jahres gibt es das Jakobusfest. Dann wird der Pilgerstab der Statue mit einer Ährengarbe geschmückt. Dies gilt als Zeichen, dass die Erntezeit beginnt. Ein münsterländisches Sprichwort sagt: „An’n Sünt Jakobs-Dagg wätt de Rogge riep, of he wätt riepe maakt.“ (Am Jakobus-Tag wird der Roggen reif, oder er wird reif gemacht.) Pfarrer Dieter Frintrop selbst hat eine sehr schöne Jakobsstatue von 1700, bei der eine Ährengarbe am Pilgerstab befestigt ist.

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Pfarrer Dieter Frintrop

Die ungewöhnlich reiche Ausstattung der im Mittelalter noch als Kapelle bezeichneten Kirche dürfte im Zusammenhang stehen mit den Pilgern, die Spenden gaben für Reisegebet und Segnung von Pilgerstab und Reisetasche. Dass der hl. Jakobus zum Patron der Kirche gewählt wurde, liegt an der im Mittelalter wachsenden Verehrung des Apostels. Großen Einfluss hierauf hatte auch Bischof Anno von Minden, der zur Jahreswende 1174/1175 zur ersten Wallfahrt nach Santiago aufgebrochen war.

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Romanisches Portal

Von der ursprünglichen Jakobi-Kirche ist nur noch das Portal erhalten, das aus den alten Steinen wieder aufgebaut wurde. Kennern zufolge ist es das schönste romanische Portal des gesamten norddeutschen Raumes. Vom Portal geht es in eine Vorhalle, die das ‚Paradies’ genannt wird. Hier finden sich Kapitäle, Basen, Friese und Skulpturen der Coesfelder Bauhütte des 12. und 13. Jahrhunderts. Darunter auch eine Sandsteinfigur der Maria Magdalena. Die Vorhalle war bei meinem Besuch wegen Bauarbeiten geschlossen. Die Skulpturen, Friese und Kapitäle selbst waren lich in der Kirche aufbewahrt.

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Skulptur Maria Magdalena

Was die (Wieder-)Entdeckung der Jakobusverehrung in Coesfeld betrifft, so wird davon im zweiten Artikel die Rede sein. Dann geht es um den Besuch bei Pfarrer Dieter Frintrop und dabei unter anderem um das Pfarrsiegel und um das Patronatslied, das auf Initiative von Pfarrer Frintrop entstanden ist. Es gilt heute offiziell als Santiago-Pilgerlied für alle deutschen Pilger entlang der Pilgerstraßen durch Frankreich und Spanien.

botSPOT, 16. März 2008

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