‚Eselparadies’ Elsass
Vor dem langen Weg nach Santiago kann man hier üben.

von Rüdiger Schneider

Junge mit Esel im Elsass
Foto: iStockphoto.com/Falk Kienas

Im Zusammenhang mit dem Thema ‚Jakobsweg’ waren wir in Bottrop auf Eselsuche gegangen und hatten dann mit Ronja, Jonny und Merlin endlich drei Prachtexemplare in Kirchhellen entdeckt (siehe Artikel vom 20.3.2008). Selten ist der Esel im Ruhrgebiet geworden!


Bottroper Esel Ronja, Jonny und Merlin (v.l.)
Foto: BOT.spot

Um so erfreulicher ist eine Entwicklung im Elsass, wo ebenfalls im Zuge der Industrialisierung und des Abbaus der Landwirtschaft das Langohr immer seltener geworden war. Jetzt aber erlebt es eine Renaissance. Die Population ist kräftig aufgefrischt worden. Man kann organisierte Eselwanderungen buchen oder auch einen Esel mieten. Dass man mit dem Graukittel nicht gleich nach Santiago ziehen kann, liegt auf der Hand. Dazu bedarf es ausführlicher Kenntnisse und Vorbereitungen, sonst scheitert das Abenteuer schon am ersten Tag. Aber um einen Esel überhaupt erst einmal kennen zu lernen, dürfte das Elsass sehr geeignet sein. Eseltouren unter fachkundiger Leitung bietet z.B. Dominique Trappler an, der in der Nähe von Straßburg wohnt. Er erklärt einem auch sogleich, dass man einen Esel nicht ziehen darf, weil er sonst bockt. „Man muss ihn schieben."


Martin Ehret (links mit Hut) und Elisabeth Ehret (rechts mit Rucksack)
unterwegs gastfreundlich beherbergt von der Familie Mosser

Foto: Hubert Göppert

Hubert Göppert, Redakteur beim Offenburger Tageblatt, danken wir für die Erlaubnis, das Foto einer der jüngsten Pilgertouren abbilden zu dürfen. Es zeigt die beiden Pilger Martin und Elisabeth Ehret, die mit den Eseldamen Luna und Mona vom Odilienberg (40 km südwestlich von Straßburg und historischer Ausgangspunkt für den Weg nach Santiago) zu einer dreitägigen Pilgertour nach Riquewihr aufgebrochen sind.


Für Eseltouren bestens geeignet - das Elsass
Hier: Blick auf Riquewihr

Foto: iStockphoto.com/Ann Taylor-Hughes

Die Strecke vom Odilienberg nach Riquewihr ist Teil des elsässischen Jakobsweges und zeichnet sich, wie überhaupt das Elsass, durch eine besondere landschaftliche Schönheit aus. Zum Wandern mit einem Esel geradezu ideal.


Unterwegs nach Riquewihr grandioser Ausblick von der Königsburg
Foto: iStockphoto.com/nicodemos

Größere ‚Touren’ hatte dagegen der Elsässer Gilbert Buecher mit seinem Esel Noel unternommen. Vom Odilienberg aus hat er die Strecke nach Santiago inzwischen zweimal zurückgelegt. Man darf gespannt sein, und es wäre zu wünschen, wenn dieses Unternehmen eine schöne literarische Form und Verbreitung fände.


Gilbert Buecher mit seinem Esel Noel
Foto mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Buecher

Was die Literatur betrifft – gerade die hinsichtlich des Jakobsweges -, empfehlen wir drei Bücher: Tim Moore, ‚Zwei Esel auf dem Jakobsweg’. Dann von Carmen Rohrbach das Buch ‚Muscheln am Weg’. Und - wenn auch nicht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Jakobsweg stehend - von Lorenz Schröter, ‚Mein Esel Bella oder wie ich durch Deutschland zog’.

Insbesondere Tim Moores Buch kann man nachdrücklich ans Herz legen. Als Leseabenteuer steht es Kerkelings Bestseller in nichts nach. Vor allem weiß man nach der Lektüre auch, worauf man sich beim Pilgern mit einem Esel einlässt. Wer sich für die kulturgeschichtliche Seite des Esels interessiert, dem sei Martin Vogels Werk ‘Onos Lyras - Der Esel mit der Leier’ bestens empfohlen. [Orpheus-Verlag, Bonn 1973]

botSPOT, 3. April 2008



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Vortragsreihe Bernd Koldewey/Rüdiger Schneider

www.jakobus-wege.de