‘Between the Fields’
Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela

von Rüdiger Schneider (Fotos: Dennis Günes)

 

Santiago-6-400

Cordula Holte auf der Via de la Plata

2002 war ihre erste Begegnung mit dem Jakobsweg. Da wanderte sie auf dem Camino del Norte nach Santiago de Compostela. Dieses Jahr, von Mitte September bis Mitte Oktober, erprobte die Bottroper Gemeindereferentin Cordula Holte die Via de la Plata und den Mozarabischen Weg und lief, wie sie es selbst nennt, noch ein bisschen aus bis nach Finisterre und noch weiter bis Muxía. Zusammen mit ihrem Freund Dennis Günes, Medizinstudent aus Essen, hatte sie sich für diese eher einsame Route entschieden, die nach dem Verlassen der Via de la Plata parallel zum vielbelaufenen Hauptweg nach Santiago führt. Spanischkenntnisse erleichterten in einsamen Gegenden und versteckten Dörfern die Verständigung.

Santiago-4-400

 Dennis Günes

In Salamanca war der Start. Über Cubo de la Tierra, Zamora und Montamarta wanderten sie auf der Via de la Plata, dann ging es auf dem Mozarabischen Weg über Tábara, Requejo und Gudina, um nur die größten Stationen zu nennen, nach Compostela. Weit aus der Ferne sieht man dann, anders als auf dem Hauptweg, die Spitzen der Kathedrale von Santiago und läuft nahezu alleine darauf zu und nicht im Pilgerstrom des Camino Francés. Insgesamt, bis nach Finisterre, legten sie 600 Kilometer zu Fuß zurück, mit einer durchschnittlichen Tagesleistung zwischen 20 und 30 Kilometern.

Übernachtet wurde in einfachen Herbergen, wo man auf Spendenbasis mit einem Obulus von drei bis acht Euro gut über die Runden kam. Um noch ein bisschen bei den Zahlen zu bleiben: Das Gewicht des Rucksacks betrug neun Kilo und die mussten oft genug bei sengender Hitze auf steilen Pfaden getragen werden, wobei die geläufige Redewendung ‚über Stock und Stein’ lebhaft zutraf.

Santiago-1-400

Nach dem berühmten Spruch ‚Der Weg ist das Ziel’ oder nach dem in diesem Zusammenhang beliebten Thema der Selbsterfahrung und Verwandlung frage ich sie nicht. Wir sprechen aber über Hape Kerkelings Buch, das sie gut findet. Sie verübelt dem beliebten Entertainer auch nicht, dass er sich ab und zu schnellerer Mittel als der eigenen Füße bediente und per Kreditkarte kommode Unterkünfte fand. Nach jedem Kapitel kommt Kerkeling zu einem spruchhaften Resümee. Eins davon lege ich ihr vor: „Manchmal ist es das Vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein.“ Das bestätigt sie und gibt auch Beispiele. Man fängt unterwegs an, sich über zuvor unbeachtete Kleinigkeiten zu freuen, lacht und singt. Und dann ist da natürlich eine grandiose Natur. Die kilometerlange Einsamkeit zwischen den Feldern, der Ausblick auf weite Horizonte, die Schönheit des Berpanoramas.

Santiago-8-400

Spanische Gastfreundschaft

Es gibt die Begegnung mit der Herzlichkeit der Menschen und die Rückkehr in die Ursprünglichkeit der Dinge. Insofern verwandelt der Weg tatsächlich. Und ein bisschen ‚magic’ ist er auch. In Santa Marta de Tera, dort wo die älteste erhaltene Steinfigur des Jakobus als Pilger über dem Portal der Kirche Santa Marta de Tera ist, befindet sich im Innern eine Statue der Heiligen Marta, die durch ein kleines rundes Fenster zweimal im Jahr von der Sonne beschienen wird. Beim Betreten der Kirche trifft Cordula Holte genau diesen Moment.

Santiago-25-350

Kathedrale in Santiago de Compostela

Die Ankunft in Santiago, ist man dann endlich da und umarmt in der Kathedrale die Statue des Jakobus, ist auch ein besonderer Moment. Man hat es geschafft. Aber soll es schon vorbei sein? Und so laufen nicht wenige weiter bis nach Finisterre, wo man früher das Ende der Welt glaubte.

Santiago-21-400

In Finisterre

Ob sie noch einmal auf dem Jakobsweg unterwegs sein wird? Möglich. Vielleicht sind es auch andere Ziele. „Von Assisi nach Rom zum Beispiel“, sagt sie. Oder auch weniger pilgermäßig mit dem Rucksack durch Neuseeland. „Die Welt ist noch voller Abenteuer.“

<< zurück zur Übersicht