Impressionen vom Somport-Pass

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

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 Pyrenäenkreuz am Somport-Pass in Borce

Tagelang müssen sie das Gebirgsmassiv vor Augen gehabt haben - die Pilger, die von Toulouse aus weiter Richtung Pyrenäen zogen, um dann hinter Oloron Ste. Marie durch das Tal der Aspe auf den Col du Somport zu gelangen. Der Somport (= summus portus- höchster Übergang) ist mit 1650 Metern der höchstgelegene Pass in den Pyrenäen. Er ist einer der ältesten Übergänge. Kelten, Römer, Karthager, Mauren nutzten ihn schon. Von Toulouse aus gingen die Pilger nicht in direkter südlicher Richtung auf das Gebirge zu, also da, wo Andorra liegt, sondern nahmen den Weg über den Somport-Pass, weil auf der anderen Seite, am Fuße des Colport, damals ein Hospiz lag, das Santa Cristina de Somport. Das Hospiz bot nach dem beschwerlichen Übergang eine Sicherheit, die der andorranische Übergang nicht hatte.

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Die Aspe

Ich wandere die Strecke nicht, fahre sie bequem mit dem Auto. Mein Anliegen ist, einen ersten Eindruck von den Pyrenäen zu bekommen.. Es ist April, ein paar Tage nach Ostern. Oben auf dem Pass liegt meterhoch noch der Schnee. Im Tal zeigt sich zaghaft erstes Frühlingsgrün.

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Blick von Borce aus ins Tal

Die Pyrenäen wirken karg, einsam, wild, zurückweisend, so als würden sie nicht jedem erlauben, sie zu betreten. Ich denke an Bernd Koldewey, der auf dem Jakobsweg ist, 2800 Kilometer, von Herne im Ruhrgebiet nach Santiago de Compostela. In Frankreich ist er gerade angekommen, hat das ganze französische Zentralmassiv noch vor sich und dann wird er am südlichen Ende auf die Pyrenäen stoßen. Weiter westlich ist sein Übergang, bei St. Jean Pied de Port. Die Pyrenäen scheinen mir eine besondere Herausforderung zu sein, vor allem, wenn man 15 Kilo Gepäck mit sich schleppt. Er wird Ballast abwerfen müssen. 15 Kilo sind zu viel für die Anstiege hier.

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Borce

Ich mache ein paar Fotos. So also sieht der Pass auf der Via Tolosana aus. Ein Berg eben, belanglos, wie in den Alpen, könnte man denken. Eine angenehme Überraschung ist dann auf der Rückfahrt das kleine Dorf Borce. Einen Kilometer nur von der Straße weg liegt es. Eng sind die Gassen, alles aus massivem Stein gebaut, etwas von mittelalterlicher Anmutung liegt über dem Ensemble der Häuser und der Kirche.

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Man sagt, entlang des Jakobsweges gebe es Orte besonderer Kraft, so wie die Kapelle Eunate bei Puente la Reina zum Beispiel. Borce scheint mir dazu zu gehören. Als ich in Borce die Kirche St. Michael betrete, liegt der Innenraum im Dämmerlicht, aber die Farben der Wandmalereien leuchten intensiv. Ich mache eine Aufnahme, ohne Blitz.

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Jakobsmuschel an einem Weihwasserbecken

Das Foto ist hell, gibt nicht wie sonst die Lichtverhältnisse der Dämmerung wieder. Ebenso auch die Aufnahme einer Jakobsmuschel auf einem Weihwasserbecken.

Ein paar hundert Meter talwärts zu, Richtung Oloron, stößt man auf ein kleines kapellenartiges Steinhaus.

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Die Muschel dort, im Zentrum des Raumes, ist auf dunkles Glas gebettet, das von einzelnen Punkten - wie von Sternen der Milchstraße - umgeben ist. Es ist ein einfacher, schlichter Raum, in dem jedoch überraschend das Licht anspringt, wenn man ihn betritt.

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Jakobusbild in Borce

Über Borce und seine Geschichte kann ich nur wenig erfahren. Das Internet mit seinen sonst so ausführlichen Beschreibungen hält sich hier erstaunlich zurück. So als habe man es mit einem unscheinbaren und eher unbedeutenden Ort zu tun.

Ein kleines Dorf vor dem Somport-Pass eben. Aber für jeden, der auf der Via Tolosana unterwegs ist, wird sich ein Besuch hier lohnen. Und dann mag man im Laufe der Zeit ein wenig mehr über Borce und seine Geschichte, die es zu erzählen hat, erfahren.

Toulouse, 12. April 2007

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