Peter Kurzeck: Oktober und wer wir selbst sind

von Karin Bucconi


„…wieder Oktober. Du kommst aus dem Haus. Am Morgen, noch früh. Die Straße ist nass. Du kommst aus dem Haus und musst stehen bleiben, so riecht es nach Herbst. Das abgefallene Laub. Gerade eben hast du aus der Nacht deinen Traum noch gewusst, und jetzt ist er weg. Du spürst noch, wie er sich entfernt. Ein Luftzug, ein Vorhang, der sich bewegt. Flügel, die sich sacht regen, die Schatten von Flügeln, und dann ist er gegangen. Weg für immer. Die Tür fällt hinter dir zu. Man kommt aus dem Haus. Das Leben ist fremd“.

Seit 1977 erscheint die poetische Chronik von Peter Kurzeck im Verlag Stroemfeld, und es ist mir unverständlich, dass dieser Autor immer noch ein Geheimtipp ist. Vielleicht ändert sich das jetzt endlich, denn das Echo auf seinen neuesten Roman ist überragend, die Rezensionen (Zeit, Frankfurter Rundschau, FAZ usw.) beinahe „hymnisch“.

Ein Mann protokolliert sein Leben: Peter Kurzeck. Er schreibt alles auf. Zettelchen hier, Notizen dort, Momente auf Papier festgehalten.

„Alles, woran man sich nicht erinnert, kann für immer verloren sein. Wenn wir den gestrigen Tag nicht mehr wissen, ist er nicht gewesen und wir auch nicht“ beschreibt er seine Poetik. Nichts will Kurzeck verloren gehen lassen. Er ist ein Sammler des Lebens, und auch in seinem neuesten Buch geht es wieder um Kindheit, Beziehungen, Freunde und das Sein an sich.

Seine Prosa ist nicht einfach zu lesen: kurze Sätze, oft ohne Verben, scheinbar wenig Handlung, aber- wer sich auf den Sprachrhythmus einlässt und Geduld übt, wird alsbald reich beschenkt.

Peter Kurzeck: Oktober und wer wir selbst sind, Verlag Stroemfeld/Roter Stern, 19.90 Euro

 

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