Peter Goldsworthy: Maestro

von Karin Bucconi


Paul ist 15 Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus dem kühleren australischen Süden nach Darwin, eine Hafenstadt im heißen Norden zieht. Er spielt gut Klavier und erhält Unterricht bei einem alten Mann, dessen Methoden ihm fragwürdig erscheinen. Zunächst einmal erklärt dieser ihm ausführlich den Charakter der fünf „Persönlichkeiten“, die an seiner Hand hängen. Den Daumen nennt er einen Gockel, den Mittelfinger Herrn Brav usw.

Paul wird wütend, er hält sich für besonders talentiert, will spielen. Dafür bezahlen seine Eltern schließlich. Doch sein schlechtes Benehmen beeindruckt Eduard Keller nicht im Geringsten. Er rät dem Jungen, zunächst einmal das Zuhören zu erlernen.

Nach acht langen Unterrichtsstunden darf Paul endlich ans Klavier. Nicht etwa an den schönen Flügel, nein, nur an das alte, abblätternde Pianino. Er ist wütend, fällt vorschnell ein Urteil über den Säufer Keller, der aus Österreich vor seiner Vergangenheit bis ans Ende der Welt geflohen ist. Er muss ein Nazi sein, und Paul nennt ihn bei sich nur noch Adolf Keller.

Der Alte, der bei einem Schüler Liszts gelernt hat, weist Paul in seine Grenzen, fordert ihn auf, alles zu vergessen, was er bisher gelernt hat und neu zu beginnen. Trotz aller Auseinandersetzungen kommen sich die beiden näher. Für Paul steht fest: Er will ins Rampenlicht…

Ein auch sprachlich wunderschöner Roman über das Erwachsenwerden, über das Erinnern, über Freundschaft und Liebe, die eigene Begrenztheit und nicht zuletzt über die Musik.

Peter Goldsworthy, Maestro, Deuticke, 17.90 €

 

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