Le Raid Dogon’ - Lauf in Mali: Josef Kaufmann aus Bottrop liebt das Abenteuer und die sportliche Herausforderung.

von Rüdiger Schneider (Text)
Fotos: Dr. Sigrid Lomsky

 

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Josef Kaufmann

Im August 2007 lief er 32 Etappen auf der Seidenstraße zwischen Peking und Teheran (siehe ‚Läufer auf der Seidenstraße’). Im November 2007, eine Woche vor seinem 71. Geburtstag, kam das nächste Abenteuer: ein Lauf in fünf Etappen (pro Tag 25 Kilometer) durch das westafrikanische Mali, und zwar durch das Land der Dogon, einer afrikanischen Volksgruppe, die auf der felsigen Bandiagara-Hochfläche lebt. Die ältesten Dörfer der Dogon kleben wie Schwalbennester an den Felsen, die jüngeren Dörfer liegen in der sandigen Gondo-Ebene. Die Bandiagara wurde 1989 zum Weltkulturerbe erklärt.

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Quelle: Wikipedia

Als sich französische Wissenschaftler Anfang der 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts den Dogon zuwandten, offenbarte sich eine ethnologische Sensation. Einen solchen Reichtum an kosmologisch-religiöser Kultur hatte man so noch nicht erlebt und vor allem in der Isolation der Bandiagara nicht erwartet. Bis in die kleinsten alltäglichen Objekte ist hier alles symbolisch durchwirkt und ausgerichtet auf das Universum hin, und auch der Mensch selbst und seine Beziehungen werden begriffen als ein Mikrokosmos, der mit dem Universum beseelt verbunden ist.

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‘Schwalbennester’ - Häuser der Dogon am Felsen der Bandiagara

Für Josef Kaufmann und die anderen Mitglieder der Laufgruppe stehen kulturelle Exkursionen und Erfahrungen erst am Nachmittag an. Um sieben am Morgen brechen die Läuferinnen und Läufer auf. Es geht durch Savannengelände, durch Dünen, durch die Dörfer der Dogon.

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Gegen Mittag hin steigert sich die Hitze bis zu 47 Grad. Der Wasserbedarf ist enorm, das Laufen im Sand besonders anstrengend. Mehr als 25 Kilometer am Tag sind unter diesen Bedingungen nicht drin. Die Strapazen sind nicht ungefährlich. Ein Mannschaftsarzt im Jeep begleitet das Rennen. Ich frage Josef Kaufmann, ob er auch einmal ans Aufgeben dachte. „Nein, nie!“ Er schüttelt den Kopf, so als hätte ich eine abwegige Frage gestellt. An dem Tag, an dem ich ihn besuche, ist er vor dem Frühstück mal eben wieder 20 Kilometer durch die Kirchheller Heide gelaufen und wirkt so ausgeruht wie unsereiner nach einem gemütlichen Bad.

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Savannenlandschaft am Rand der Bandiagara

Er muss im Training bleiben. Am 20. Februar geht es nach Buenos Aires. Dann stehen drei Wochen Laufen durch Patagonien an. Durch Feuerland geht es bis an die Spitze Südamerikas. Statt durch heiße Wüste läuft er dann an kalbenden Gletschern vorbei.

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Beim Lauf durch das Land der Dogon beeindruckt ihn die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen. Campiert wurde innerhalb der Dörfer, geschlafen unterm Moskitonetz auf den Flachdächern der Häuser. Die ‚Menüs’ waren einfach. In aller Regel Nudelgerichte in den Variationen des Dorfes.

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Besuch in einer Schule

Schockiert ist Josef Kaufmann von der Armut des Landes. Insbesondere fehlt es an medizinischer Ausrüstung. Die das Team begleitenden Ärzte helfen unterwegs, wo immer sie können. Bedrückend auch, dass die Beschneidung von Frauen, obgleich mittlerweile staatlich verboten, immer noch mit Rasierklingen und Küchenmessern praktiziert wird.

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Das Analphabetentum ist hoch. Es gibt zu wenig Schulen. Und auch hier ist die Ausrüstung denkbar karg. Unvergessen sind für Josef Kaufmann die strahlenden Augen der Kinder, als er Buntstifte und Kulis verschenkt. Die Armut ist das Erbe französischer Kolonialpolitik. Statt Nahrungsmittel ernten zu können, wurden die Bewohner zum Anbau exportbestimmter Produkte gezwungen und durch Steuererhebungen ausgebeutet.

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Am Niger

Mopti, am Niger gelegen, ist die zweitgrößte Stadt Malis. Nach dem abschließenden Zieleinlauf fährt die Läufergruppe dorthin. Nun gibt es erstmals so etwas wie Luxus. Man übernachtet in einem Hotel, erlebt in Holzbooten eine Fahrt auf dem Niger und ehrt bei afrikanischer Folklore die Sieger. Erster wird ein Franzose, zweite eine Spanierin. Josef Kaufmann kommt als bester Deutscher ins Ziel. Gewonnen haben im Grunde alle, die die Strapazen dieses Laufes überstanden haben.

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Josef Kaufmann (2. von links)

In naher Zukunft geht es also nach Patagonien. Wir drücken Josef Kaufmann für dieses neue Abenteuer die Daumen und werden darüber wieder berichten. Bei der Dokumentation der Reisen hilft seine Frau Helga mit und hält ihm auch familiär den Rücken frei, damit er in Ruhe seinen Abenteuern nachgehen kann. Ihr gilt auch mein Dank für die gastfreundliche Bewirtung bei den Interviews, wenn Josef Kaufmann von seinen Reisen erzählt.

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botSPOT, 2. Februar 2008

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