Ungarn 2006: Der Theiss entlang und nach Budapest

von Rainer Lienemann (Text/Fotos)

Rainer Lienemann, in Bottrop geboren, jetzt in Bochum lebend, hat ausgedehnte Radtouren durch verschiedene Länder Osteuropas durchgeführt. Hier sein Bericht über eine Radtour durch Ungarn - mit wertvollen Tipps:

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Für uns beginnt der markierte Euroradweg (Eurovelo® Nr. 11) kurz hinter Sarospatak, nahe der slowakischen Grenze, als plötzlich im Örtchen Szegi das Schild "Eurovelo" am Wegesrand steht. "Wegesrand" meint den Rand einer normalen, nicht stark befahrenen Dorfstraße, die parallel zur Landstraße verläuft und holperig und mit ausgefranstem Asphaltrand der Beschilderung wenig gerecht wird.

Doch machen Arbeiten am Straßenrand deutlich, dass hier die Schilderaufsteller schneller als die Straßenarbeiter waren, die gerade die Trasse für den Radweg vorbereiten. Immerhin ist es ein recht ruhiges Fahren bis zur Hauptstraße, die kurz vor Tokaj dann wieder über einen Radweg verfügt.

Tokaj ist als Städtchen ziemlich gesichtslos und uninteressant. Die Erwartungen, die mit der 2002 zum UNESCO Kulturerbe ernannten Stadt verbunden sind, erfüllt zumindest der Ort nicht. Eher werden diese erfüllt bei einem Besuch der alten unterirdischen Weinkeller mit den pilzüberwucherten Wänden unter den Bürgerhäuser, die einen Eindruck von der tausend Jahre alten Weintradition des ausgedehnten Weinanbaugebietes am Zusammenfluss von Theiss und Bodrog entstehen lassen. Der Wein selbst ist eine Frage des Geschmacks; wer den seinen eher an den trockenen französischen und italienischen Weinen gebildet hat, wird den Tokajer weniger schätzen als Goethe oder Ludwig der XIV., welcher den Tokajer als "König der Weine - Wein der Könige" bezeichnet haben soll. Auch unsere Pension Elvira, etwa zwei Kilometer vor Tokaj gelegen, verfügt über einen Weinkeller, den wir am Abend noch besichtigen und anschließend prüfen wir die dort erstandene Flasche "Lindenblättriger", eine der Tokajer Rebsorten, auf der Terrasse in der lauen Abendluft so lange, bis nicht mehr viel zu prüfen übrig ist.

Am Morgen stoßen wir in Tokaj an einem Gebäude auf das längste Wort in Ungarisch, das sogleich dokumentiert werden muss:

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Der Radweg führt ohne Orientierungsprobleme aus dem Ort heraus, biegt links ab und führt über verkehrsarme Dorf- und Landstraßen unregelmäßig an der Theiss entlang. Hinter einer Biegung geht es bergab der Theiss entgegen, die hier eine kleine Fähre bereit hält. Brücken über den Fluss sind selten, und so treffen wir im Verlauf unserer Tour noch öfter auf solche Fähren, die Platz nur für wenige Autos bieten und an einem Drahtseil unter Ausnutzung der Strömung das andere Ufer erreichen. An einer Imbissbude kann man die Wartezeit mit einem Snack oder einem Bier überbrücken.

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Auf der anderen Seite geht es weiter über Dorfstraßen nach Tszadada und weiter bis Tiszadob, wo plötzlich der in der ungarischen Radlerkarte angekündigte Fahrradweg beginnt – eine neue, glatte Asphaltdecke auf dem Deich entlang der Theiss bzw. deren Auenwäldern. Die Freude über das nun gleichmäßige, sichere Fahren hält nicht sehr lange an: Immer wieder benutzen Autofahrer den Radweg als Abkürzungsstrecke zwischen zwei der Theiss nahen Örtchen und gehen bei der Begegnung kaum mit der Geschwindigkeit herunter.

Der schattenlose Weg wird an diesem weiteren Sommertag mit über 30 Grad allmählich beschwerlich und führt nicht durch Orte, wo wir am Kiosk Wasser auftanken könnten, so dass unser Getränkevorrat schließlich aufgebraucht ist. Zudem verändert sich der Landschaftseindruck auch nach 40 Kilometern nicht: links gemähte Wiesen mit runden Heuballen, rechts die scharfe Grenze des Auenwaldes, der nur gelegentlich einen Blick auf einen Altwasserarm oder auch die Theiss selbst zulässt. Streckenweise sind es unglaublich viele Frösche verschiedenster Größe, die in den unterschiedlichsten Stadien der Plattheit den Asphalt "verzieren" und zusammen mit unseren „unplattbaren“ Reifen ein amüsantes Fotomotiv abgeben. Dazwischen vereinzelt Schlangen oder andere, nicht mehr identifizierbare Kleintiere.

Der Weg zieht sich und zieht sich in Kurven dem Theissverlauf folgend bis Tiszacsege, wo uns endlich am Fluss ein Campingplatz mit hübscher Csardas empfängt. Auch hier gibt es eine Theissfähre, davor haben ein Korbflechter und eine Andenkenverkäuferin ihren Stand, alles noch beschaulich, und nach einer Suppe und einem Bier beschließen wir, den Radeltag nach 85km hier zu beenden und in der zum Restaurant gehörenden Pension zu übernachten.

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Die zum touristischen Ambiente passenden Pseudo-Zigeuner spielen beim Abendessen etwas zu laut einen musikalischen Einheitsbrei, der "Abendstimmung an der Theiss" heißen könnte und irgendwie zum Blick auf den Fluss, den letzten Fährübergängen und der untergehenden Sonne passt... -

Die heutige Etappe ist kurz; wir starten spät nach dem in Ungarn häufig anzutreffenden "ham and eggs"- Frühstück und sind um 13 Uhr schon in Tiszafüred, einem zur Theiss hin mit Campingplätzen und Unterkünften gut versorgten und hier sehr touristisch, ja kirmesartig anmutenden Ort, der auch wegen des Thermalbades bekannt und besucht ist. Freundliche Auskunft zu den Pensionen und eine Ortskarte gibt es im Touristcenter, wir müssen aber doch einige Kilometer weiter zum Vorort Tiszaörveny fahren, wo es in der Pension Freitag ein freies Zimmer mit, wie sich am nächsten Morgen zeigt, sehr gutem Frühstück gibt. Hier ist es ruhiger als in Tiszacsege, obwohl die Theiss und auch der Radweg nur 100m von der Pension entfernt verlaufen. Ein Besuch der Innenstadt von Tiszafüred ist enttäuschend; zum Glück hat das Internetcafe über der Eisdiele geöffnet und im angenehm temperierten Raum verbringen wir einige Zeit mit Mailkorrespondenz und Wetterberichten. Auch das neue ZEIT-Rätsel wird ausgedruckt und bereitet uns am Abend eine vergnügliche Stunde.

Nach dem ausgiebigen Frühstück geht’s am nächsten Morgen weiter auf dem Theissradweg, der etwas abwechslungsreicher wird. Der Belag wird an einer Stelle erneuert, und die Fahrt geht etwa 5 km über die aufgerissene Erddecke. Dann macht der Asphalt das Weiterkommen wieder erträglicher und der Blick auf den Theisssee diese Tagestour interessanter. Es geht durch Naherholungsgebiete, Anglerstrecken und Abschnitte von Wildcampern, an kleinen Häfen vorbei und schließlich über zwei Brücken etwas von der Theiss weg. Eine Brücke verblüfft uns, da sie auf einer Bahntrasse zugleich Eisenbahn- und Autobrücke ist. Kommt der Zug, muss der nur einspurige Autoverkehr stoppen. Die Strecke führt danach über Land, dann wieder auf dem Deichweg bis Nagykörü, wo wir die Übernachtung angepeilt hatten. Leider gibt es kein Hotel und keine Pension trotz einer entsprechenden Kennzeichnung in der Karte, die damit zum zweiten Mal ihre Unzuverlässigkeit hinsichtlich der Unterkunftsmöglichkeiten beweist. Also trinken wir einen Cappuccino, kaufen Mineralwasser und fahren weiter, nun über die belebter werdenden Straßen Richtung Szolnok. Die letzten Schilder "Eurovelo" haben wir kurz nach Nagykörü gesehen, da war der Radweg schon mehrfach nicht mehr genau der Theiss gefolgt. Irgendwann führte er gar nicht mehr an den Fluss zurück und die Beschilderung hörte auf. Später in Szolnok sehen wir die Schilder wieder, allerdings in Gegenrichtung. Die Randasphaltierung der Landstraße wirft starke Wellen auf, denen man ausweichen muss. Das wird bei dem zunehmenden Verkehr auf der engen Straße schwierig. Kurz vor Szolnok wird der Belag wieder besser. Die Stadt macht schon bei der Einfahrt keinen angenehmen Eindruck, und dies ändert sich auch nicht bei einer näheren Visite, die wir nach dem Einchecken im netten Aparthotel Sóház vornehmen. Ein hässlicher Stadtkern mit einigen übergebliebenen hohen Plattenbauten, in den Seitenstraßen auch einzelne interessante ältere Fassaden, jugendstilorientiert; das ganze wirkt unharmonisch, wenig einladend. An der Hauptkreuzung gibt es eine zentrale Bar, ansonsten suchen wir Restaurants vergeblich, essen in einer Pizzeria und erfahren am Abend erst im Hotel, dass es ganz nah um die Ecke das gute Restaurant der Stadt gegeben hätte...

Ein letztes Bier an der Hotelbar, und dann können wir eine mücken- und lärmlose Nacht bei angemessenen Temperaturen verbringen, was den Preis von 13.500 Forint wert ist.

Am Morgen verblüfft uns das Hotelfrühstück, erstmals seit langem als Buffet, mit einer großen Auswahl an Teesorten. Bei der Abrechnung outen wir uns – in Fahrradmontur – als „Businessmen“, die ihre Geschäftsreise fortsetzen. Als normale Touristen hätten wir nämlich eine Art Touristengebühr bezahlen müssen. Wir verlassen die Stadt über die große Ausfallstraße Richtung Budapest. Der Euroveloweg folgt weiter der Theiss, die wir nicht wiedersehen werden; sie fließt Richtung Süden nach Szeged und weiter nach Serbien. Wir dagegen stehen nach einigen Kilometers etwas hilflos vor dem Schild "Für Radfahrer verboten". Ein Radweg oder eine Ausweichstrecke sind auf der Karte und vor unseren Augen nicht zu sehen. Also geht es weiter auf der gut befahrenen Straße, die dann zur Schnellstraße wird und uns vor einer Kreuzung mit der Autobahn noch einmal vor die Frage stellt, hier weiterzufahren oder eine Nebenstrecke zu suchen. Abony kann nicht mehr weit sein, wir entscheiden uns zur hoffentlich kurzen Weiterfahrt auf der Schnellstraße und sehen zum Glück bald darauf das Ortsschild von Abony, wo wir am ersten Kiosk eine Erholungspause einlegen.

Äußerst rechts auf dem schmalen und welligen Asphaltstreifen der Schnellstraße zu fahren, den Gegenverkehr, vor allem Lastwagen, im Auge zu haben und mit dem Ohr nach hinten ebenfalls auf Lastwagen zu horchen, das stresst doch. Die Situation bei der Begegnung zweier LKWs auf unserer Fahrhöhe ist mitunter wirklich heikel; selten bremsen die LKWs und warten auf eine freie linke Spur zum ausweichenden Überholen. Aber mittlerweile sind wir etwas abgestumpft gegenüber dieser Gefahr und treten fester in die Pedalen, um die Verweildauer im Gefahrenbereich zu verkürzen. Radfahrer auf der Schnellstraße bzw. Autobahn: das hätte in Deutschland eine Radiodurchsage und einen schnellen Stopp durch die Polizei mit anschließender Bußgeldzahlung verursacht. Hier scheint unser regelwidriges Fahren niemanden zu kümmern.

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Nach Abony bietet sich ein ruhige Nebenstrecke an mit Sonnenblumenfeldern links und rechts bis zum Örtchen Törtel, das über eine erstaunliche Zahl von Cafes verfügt. Wir haben Zeit und testen zwei davon; im zweiten ist der Capuccino hervorragend und kommt nicht aus dem Tütchen, wie so oft in Ungarn. Eine schwer bepackte Familie mit Kindern radelt vorbei, grüßt – Reiseradler sind ein sehr seltener Anblick auf unserer Tour.

Dann kommt Cegled in Sicht, wo wir uns bei der freundlichen deutsch sprechenden jungen Frau im Touristbüro nach Zügen erkundigen. Die letzte Strecke bis Budapest wollen wir lieber nicht noch einmal mit dem Rad zurücklegen. Vom Flughafen wegzukommen, war sehr anstrengend, da es lange nur diese Schnellstraße gibt oder man große Umwege über nicht in der Karte verzeichnete Sträßchen in Kauf nehmen muss. Und durch die äußeren Viertel ins großstädtische Zentrum von Budapest zu fahren, ist auch nicht nach unserem Geschmack. Also haben wir uns für die unsportliche, aber bequemere Variante Zugfahren entschieden. Bis zur Abfahrt ist noch Zeit; also setzen wir uns noch mal auf die Terrasse eines hübschen Cafes, radeln dann die schattige Allee zum Bahnhof hinunter und steigen nach kurzer Wartezeit bei zünftiger Blasmusik auf dem mit europäischen Mitteln renovierten Bahnhof von Cegled in den Zug. Die Wartezeit reicht, um einige interessante Unterschiede zur entsprechenden heimischen Situation festzustellen, zum Beispiel die enorme Höhe des Einstiegs bei den Waggons. Wie können alte Menschen oder Reisende mit Gepäck, mit Fahrrädern z.B., diese Hürde nehmen?

Die Gleise sind hier nicht tiefer gelegt, sondern verlaufen in Gehsteighöhe. Wenn die Durchsage für den einfahrenden Zug kommt, begeben sich die Reisenden über die Gleise zum ausgerufenen Bahnsteig. Unser Zug wird aufgerufen, fährt ein. Die Türen der Waggons sind eng, und wir haben mit den Rädern Schwierigkeiten; sofort ist eine helfende Hand da und schiebt von außen das Rad hoch ins Abteil. Ähnliche Erfahrungen konnten wir oft in Ungarn machen: Auskünfte wurden immer freundlich gegeben, in Situationen, in denen Hilfe nötig war, wurde diese mitunter noch vor unserer Bitte danach schon angeboten. Die ruhige, freundliche Art der Menschen macht Ungarn sympathisch, dazu die unproblematische Verständigung, die in 90% der Fälle auf Deutsch erfolgen konnte, sonst auf Englisch, und auch im kleinsten Ort noch funktionierte.

Der Zug fährt an und erreicht mit mäßiger Geschwindigkeit nach knapp zwei Stunden Budapest Nyogati pu (Ostbahnhof), wo uns die Hauptstadt mit Hektik und Temperaturen von über 35 Grad empfängt. Teils schieben, teils fahren wir die Strecke durch die Innenstadt, überqueren die Donau auf der Margarethenbrücke und gelangen ins hügelige Buda zur gebuchten Pension, die zum Glück nicht allzu weit entfernt ist. Und doch kommt mir diese halbe Stunde anstrengender vor als ein halber Tag auf dem Rad.

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Der nächste Tag vergeht überwiegend damit, Kartons zur Radverpackung für den Transport im Flieger zu besorgen. Glücklicherweise ist in einer der Radkarten ein nach Vierteln geordnetes Verzeichnis der Radhändler, doch müssen wir in vier Geschäften nachfragen, bis wir zwei Radkartons bekommen, und auch diese sind Verpackungen für MTBs und eigentlich zu klein für unsere Trekkingräder. Die Kartons stülpen wir über Sattel und Gepäckträger der mitgebrachten Räder. Das sieht zwar lächerlich aus, ist aber immer noch besser, als mit den unförmigen Kartons durch die Stadt zu laufen.

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Der Nachmittag geht damit drauf, Kartons und Räder irgendwie zusammenzubringen, so dass eine hoffentlich beim Check-In akzeptierte Verpackung entsteht, obwohl Radteile vorne und oben deutlich überstehen. Am Abend ist dann noch Zeit für einen Stadtbummel und ein letztes Essen, das hier in Budapest etwa das Dreifache des unterwegs gezahlten Preises kostet. Das Großraumtaxi ist bestellt und bringt uns am nächsten Morgen sehr früh zum Flughafen, von dem aus wir vor gut drei Wochen unsere Tour begonnen haben.

Tipps:

Vom und zum Flughafen:

Mit den Rädern vom Flughafen wegzukommen war wegen der für Fahrräder verbotenen Schnellstraßen schwierig und ist nicht empfehlenswert. Stressfreier ist es, mit Hilfe einer guten Karte über kleine Orte einige Umwege zu fahren oder von der nächsten Zugstation aus bis zum gewählten Ausgangsort der Radtour zu nehmen.

Für die Rückfahrt nach Budapest haben wir die letzte Variante gewählt und uns die ungemütliche lange Anfahrt durch die Vororte der Landeshauptstadt gespart. Für die Räder haben wir in Budapest Kartons besorgt und uns am Morgen mit den verpackten Rädern im Großraumtaxi zum Flughafen bringen lassen. Diese aufwändige Variante wäre wohl nicht nötig gewesen. Eine Umwicklung der empfindlichen Radteile mit Vakuumfolie und die üblichen Handgriffe (Luft raus, Lenker quer, Pedalen ab) hätten hier genügt – im Unterschied zum EasyJet-Reglement am Dortmunder Flughafen.

Karten:

Wir haben uns in Ungarn weitgehend auf die vom ungarischen Tourismusverband herausgegebene Radkarte verlassen. Sie wird auf Anfrage kostenlos zugeschickt und ist mit einigen Einschränkungen brauchbar. Die Kilometerangaben sind korrekt, auch die Angaben zu nicht zu befahrenden Schnellstraßen. Die Rückseite beschreibt verschiedene Touren im Lande mit Hinweisen zu touristischen Sehenswürdigkeiten.

Auf die verzeichneten Fährverbindungen sollte man sich nicht verlassen; zwei nicht verkehrende Fähren zwangen uns zu einem Umweg von 30km. Die eingezeichneten TouristInform-Symbole entsprechen nicht immer einer anzunehmenden touristischen Infrastruktur: In Nyiracsad z.B. gibt es eine kleine Wohnung für Feriengäste über der nur vormittags geöffneten TouristInformation, mit Küche zum Selberkochen. Ein Restaurant existiert nicht im Ort, ebenso wenig eine andere Unterkunftsmöglichkeit, eigentlich auch keine touristischen Attraktionen...

Die Beschreibungen auf der Rückseite der Karte sind sowohl allgemein zum Radfahren in Ungarn als auch zu den verschiedenen Routen sehr positiv und etwas betulich gehalten. Sicher handelt es sich bei der Karte um Werbematerial, die Einseitigkeit stößt aber spätestens dann unangenehm auf, wenn wichtige Angaben fehlen oder ärgerlich ungenau sind. So ist Ungarn sicher nicht das "Radlerparadies", wie es der Broschürentext nahe legt.

Auf den etwas größeren Straßen ist das Radfahren durchaus stressig, da diese ohne Radweg, eng und am rechten Rand, oft aber auch insgesamt, in ungutem Zustand sind. Die Rücksichtnahme der Autofahrer könnte durchaus besser sein, besonders bei der Begegnung zweier Fahrzeuge in Radlerhöhe gab es oft heikle Situationen. Ungarische Radler auf diesen Straßen sind selten; Reiseradler haben wir nur zweimal getroffen, diese waren einmal eine Gruppe aus Tschechien, das andere Mal eine Familie aus Deutschland.

Auf den kleinen Sträßchen zwischen kleinen Orten - oder auch größeren im Osten Ungarns - ist die Lage für Radler besser: Die Straßen sind in gutem Zustand, das Verkehrsaufkommen ist gering und auch die gefährlichen Situationen sind seltener.

Hier geschah es mehrfach, dass Rehe wenige Meter von mir entfernt plötzlich aus der Deckung brachen und das Weite suchten.

Den vorgeschlagenen Touren lässt sich, sobald sie von eindeutig erkennbaren Straßen abweichen, oft schwer folgen, da die Routen nicht markiert sind und die Einzeichnungen in der Karte dann nur Näherungswerte darstellen. Die mehrfach erwähnten und empfohlenen Dammwege sind oft nicht asphaltiert und für Reiseradler mit Gepäck zur Sommerzeit nicht empfehlenswert. Die ausgetrocknete, rissige Erde ist auf längerer Strecke so wellig und von Spalten durchzogen ist, dass Schieben angesagt ist.

Der in der Karte empfohlene Theiss-Radweg ist wegen der Asphaltoberfläche und dem seltenen Autoverkehr gut zu fahren, verläuft aber lange Kilometer schattenlos, ohne Örtchen zu berühren und ohne Abwechslung im Landschaftsbild. Zumindest ein Hinweis auf die ersten beiden Aspekte wäre wünschenswert gewesen.

Essen und Trinken unterwegs zu bekommen ist kein Problem: Überall gibt es die Getränkeshops, Italbolts, wo es Wasser und Saft etc. und auch Kleinigkeiten zu essen gibt. Schon am Morgen sitzen hier Männer beim Bier: Im Unterschied zu Polen, wo draußen vor den Skelps getrunken wird, konsumiert man hier das Bier dezenter im Innern. Dem Fremden im Radlerdress wird auch nicht soviel Aufmerksamkeit gewidmet, wie es in Polen der Fall war.

In Städten ist es kein Problem, eine Pension (Panzio) oder ein Hotel zu finden. Kleine Örtchen können durchaus ohne Unterkunft sein, aber im nächsten oder spätestens übernächsten Ort gibt es dann wieder ein Bett mit Frühstück.

Die Verständigung war überhaupt kein Problem; in Ungarn wird eher Deutsch als Englisch gesprochen wird, und die Menschen sind überall freundlich und hilfsbereit.

Das Preisniveau auf dem Land in Ungarn liegt sehr deutlich, in den Städten deutlich bis etwas unter dem in Deutschland, in Budapest auf dem selben Niveau - teils auch darüber, ohne immer dem Leistungsniveau zu entsprechen...

Für Pensionsunterkünfte lagen die Preise im Sommer 2006 zwischen 5000 und 10000 Forint, also zwischen 18 und 36 Euro für das Doppelzimmer mit Dusche/WC inkl. Frühstück.

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