“Ich sehe ein Haus, das du nicht siehst...”
Architektur aus Kindersicht

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

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Wie würden Kinder Häuser und Hausfassaden gestalten? Nach dem Vorbild der ‘Alten’ oder ganz anders? In einem Unterrichtsprojekt der Klassen 6 des Vestischen Gymnasiums wurde dieser Frage nachgegangen. Entstanden war die Projektidee in einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit der Stadt Bottrop und ansässigen Architekten.

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Kunstlehrer Jörg Hentschel stellte zunächst die Aufgabe, Häuser zu fotografieren und hinsichtlich des Wohlgefühls, das sie ausstrahlen oder nicht ausstrahlen, zu bewerten. Anschließend wurden in Gruppenarbeit 20 Modellhäuser (ca 1:10) gestaltet, wobei man sich ganz auf individuelle, künstlerische Lösungen einzulassen hatte.

‘Richtfest’ war am 7. März im Galeriebereich des HOME^Conceptstores Kirchhellen. Da waren dann die Häuser, aber auch die vorangegangenen Arbeitsgänge zu besichtigen.

Bei der ästhetischen Bewertung der Häuserfotos fällt auf, was die jungen Leute so gar nicht mögen. Gestutzte Vorgärten, graue Fassaden, den Kahlschlag im Garten. ‘Dieses Haus sieht schön aus, weil es schön zugewachsen ist.’ heißt es z.B. in einer Beurteilung. Ebenso gibt es die Liebe zum filigranen, schmückenden Detail und zu einer gewissen Nostalgie.

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Alte, gut erhaltene Häuser sind die Favoriten, nicht Glas und Beton. Auch an Bekennertum mangelt es nicht. Man soll sehen, wer da wohnt. So ziert bei Fußballfreunden etwa das Emblem von Schalke 04 die Fassade.

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Und eins fällt vor allem auf: die Farbe. Bunt muss das Haus sein. Und lässt das Wetter zu wünschen übrig, so zaubert man sich Mond und Sterne eben auf das Dach.

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Auch Kauziges sieht man. Da ist der Briefkasten ab und zu oberhalb der Haustür angebracht. Warum? Wünscht man sich die Brieftaube zurück oder gar einen Harry Potter als fliegenden Boten?

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Auf jeden Fall geht es nicht so stur funktional zu wie bei den ‘Alten’. Das macht diese Ausstellung amüsant. Kann man hier etwas lernen? Auf jeden Fall. Mehr Farbe in die Städte und weniger Kahlschlag. Ganz so bunt wie bei den Modellhäusern muss es ja nicht unbedingt sein.

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Ein bedeutendes Anliegen aber ist auf jeden Fall, alte Häuser zu erhalten und das, was grün ist, wachsen zu lassen. Vielleicht kommt es auch einmal zu einem über das einzelne Haus hinausführenden Projekt. Wie stelle ich mir lebhafte, lebendige, öffentliche Plätze vor zum Beispiel? Man dürfte gespannt sein auf die Ideen.

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Ausgezeichnet und prämiert wurden bei dem jetzigen Projekt die Häuser folgender Schüler und Schülerinnen: Gruppe 1: Charlotte Schürmann, Anna Förster, Paulina Stiebler. Gruppe 2: Henning Beinlich, Jannik Rüdel, Dan Heilmann, Florian Krauß. Gruppe 3: Sarah Täpper, Anna Löns, Viktoria Knaup und Sarah Herbert.

botSPOT, 16. März 2008

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