Besuch bei einem Falkner

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

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Wolfgang Rohrberg mit Pia, einem Harrishawkweibchen

Auf dem Bottroper Heidhof hatte man am 15. Dezember die schöne Gelegenheit, Falkner mit ihren Greifvögeln zu sehen. Ein Anlass also, um Näheres zu erfahren über den Umgang mit diesen Vögeln, die man außer im Zoo nicht mehr so leicht zu Gesicht bekommt. Dazu besuche ich einen Falkner in der Nähe von Schermbeck.

Angefangen hat Wolfgang Rohrbergs Interesse ganz harmlos mit einem Nymphensittich. Ein paar Jahre später, das ist auf einem Essener Zechengelände, fällt ein junger Turmfalke aus seinem Nest. Wolfgang Rohrberg pflegt den verletzten Vogel, päppelt ihn auf, entlässt ihn in die Freiheit. Von da an war er von Greifvögeln fasziniert. Heute besitzt er zwei Steinadler, zwei Harrishawks (südamerikanische Bussarde) und zwei Steppenadler, wie sie in der Mongolei vorkommen. Alle Vögel sind selbstverständlich

Züchtungen.

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Steinadler Benn

Die Vögel haben auch Namen. Das Steinadlerpärchen heißt Ben und Inka, die Steppenadler Tom und Jerry. Die beiden Hawks, das sind Pia und Mascha. Um Falkner sein zu können, braucht man zunächst einmal einen Jagdschein und dann ist eine spezielle Falknerprüfung abzulegen.

Es ist ein interessanter Nachmittag. Auch sprachlich tauche ich in einen neuen Bereich, lerne, dass ein Vogel nicht frisst, sondern atzt. Das Verdauungsprodukt ‚schmelzt’ er aus. Er hat auch keinen Schwanz, sondern einen Stoß. Er beißt nicht, sondern zwickt. Ist ein Vogel für die Jagd zu satt und somit flugfaul, hat man ihn zu hoch mitgenommen. Er hat dann keinen guten Appell. Dass Greifvögel nicht in einem Nest hocken, sondern in einem Horst, weiß man gemeinhin, indes ist das bei einem Turmfalken wieder ein bisschen anders. Denn der nimmt gerne Nester in Beschlag, die andere Vögel bereits gebaut haben.

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Steppenadler Tom

Hin und wieder geht Wolfgang Rohrberg mit seinen Vögeln auf die Jagd. Letztes Jahr war das noch in der Kirchheller Heide möglich, wo es auf Kaninchen ging. Die sind aber selten geworden, nicht wegen der Jagd, sondern wegen der berüchtigten Chinaseuche, die die Population zusammenbrechen ließ. So fährt er also in andere Jagdgebiete, zum Beispiel auch nach Österreich, wo er Hasen jagen kann.

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Steinadler Inka im Anflug

Bei dem Steinadler ist besondere Vorsicht geboten. „Er ist eine Waffe“, sagt Wolfgang Rohrberg. Etwas zu unbekümmert halte ich die Kamera an den Maschendraht einer großen Voliere. Der Vogel kommt plötzlich angerauscht, nur knapp entgeht das Objektiv seinen Krallen. Später lese ich, dass man mit Steinadlern im Ural sogar Wölfe jagt. Der Vogel packt sich mit einem Greif die Wirbelsäule des Wolfes. Dreht der dann den Kopf, um zu beißen, fasst der Vogel mit dem anderen Fuß die Schnauze und macht den Wolf bewegungsunfähig. In den Fängen des Adlers steckt so viel Kraft, dass er sogar durch die Schädeldecke greifen kann.

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Freut sich auf Krähen: Pia

Mit Pia, dem Hawkweibchen, hat Wolfgang Rohrberg noch Besonderes vor. Der Vogel wird mit einem Federspiel (einer Attrappe) auf Krähen trainiert und dann später aus dem fahrenden Auto auf einen Schwarm losgelassen werden. Dort soll er sich einen dieser schwarzen Vögel, die den Bauern Kummer machen, greifen. Ob das gelingt, muss sich noch herausstellen. Es kann auch sein, dass Pia keine Lust auf Krähen hat.

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Hilde Rohrberg mit Steinadler im Heidhof

Was geschieht nun, wenn ein Steinadler, der nicht gerade billig ist und zu dem man ja auch als Falkner eine besondere Beziehung hat, von der Jagd nicht zurückkommt? „Kein großes Problem“, meint Wolfgang Rohrberg. „Die Vögel sind mit einem kleinen Sender ausgestattet. Ich kann sie orten. Es kann allerdings passieren, dass man dann eine ganze Nacht in der Nähe des Vogels verbringen muss, ehe er freiwillig die Baumkrone, die er sich ausgesucht hat, verlässt.“ Begleitet wird Wolfgang Rohrberg bei solchen Jagdabenteuern von seiner Frau Hilde, die zwar nicht mit den Vögeln jagen darf, sich aber mit um die Betreuung kümmert.

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Kaiser Friedrich II. mit Falke
Foto: Wikipedia

Die Beizjagd ist eine der ältesten Jagdformen. Sie entstand vor etwa 3500 Jahren in Zentral- und Mittelasien. Die Germanen betrieben sie, ebenso die Kelten. Kaiser Friedrich II. schrieb um 1200 den ersten Traktat über die Jagd mit Falken (De arte venandi cum avibus – Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen). Die Falknerei pflegte er als Vorübung für die Menschenführung. Wer das Kunststück fertig brachte, einen Falken zu dressieren, der durfte auch Kaiser sein.

Anders als im Mittelalter geht es bei Falknern heutzutage nicht mehr nur um die Jagd. Sie sind auch Experten für die Pflege verletzt aufgefundener Greifvögel und eine anschließende Freilassung. Viele Falkner züchten Greifvögel, betreiben Auswilderungsstationen und ihnen ist es zu verdanken, wenn gefährdete Arten nicht aussterben.

botSPOT, 23.Dezember 2007

 

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