Bottroper Markttag

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

Bottrop_Markt_15_400

Den Bottroper Markt zu besuchen, ist insbesondere samstags, wenn das Wochenende eingeläutet ist, ein besonderes Erlebnis. Erntefrische Sachen können eingekauft werden, man wird dabei freundlich beraten, trifft Bekannte und Freunde zu einem Plausch, der Markt ist nicht nur ein Einkaufsplatz, sondern auch ein bedeutender kommunikativer Treffpunkt. Es macht einfach Spaß, ausgeschlafen über den Markt bummeln zu gehen. Urlaubsgefühle, vor allem, wenn dann noch die Sonne scheint, stellen sich ein. Mitten in Bottrop.

Aber...

Bottrop_Markt_2-400

frühmorgens bei den Vorbereitungen

Wie sieht das bei den Standbetreibern selbst aus? Welche Vorbereitungen müssen sie treffen, um uns zu erfreuen? Sie werden schon früh auf den Beinen sein. Wie früh eigentlich? BOT.spot wollte es einmal wissen, einen Blick hinter die Kulissen werfen und einen der Standbesitzer vom heimischen Aufbruch bis hin zum Aufbau des Standes begleiten. Unsere Wahl fiel auf den ‘Mann an der Gulaschkanone’. Hier gibt es unter anderem die köstlichste Erbsensuppe Bottrops, und wir kennen im Bekanntenkreis sogar Fälle, wo man eigens deswegen von weither angereist kommt.

Bottrop_Markt_3_400

Mitarbeiter Peter Niggemann beim Beschicken eines Kessels

Bei Markus Konze aus Kirchhellen bedeutet Markttag, um vier Uhr aufzustehen. Und Markttag ist bis auf montags jeden Tag irgendwo im Revier und zweimal in der Woche eben in Bottrop. Die Gerichte werden am Tag vorher zubereitet und dann in aller Herrgottsfrühe in die Kessel gefüllt.

Bottrop_Markt_1-400

Frank Konze an der Gulaschkanone

Warum heißt das eigentlich ‚Gulaschkanone’? will ich wissen. Markus Konze klärt mich auf. Eine solche mobile Küche wird auch wegen ihrer Verwendung beim Militär ‚Feldküche’ genannt, und da diese Feldküchen auf ähnlichen Anhängern wie die Radkanonen gezogen wurden, bekamen sie ihren umgangssprachlichen Namen. Zudem hat auch der Rauchabzug, der bei inaktivem Zustand nach hinten geklappt wird, zu dem Namen ‚Kanone’ beigetragen.

Bottrop_Markt_4_400

Markus Konze überprüft die Erbsen im Kochkessel.

Vom Einkauf der frischen Waren bis hin zum fertigen Teller Erbsensuppe auf dem Markt ist es ein arbeitsreicher Weg. Ich staune, als ich die Ausmaße der Küche in Kirchhellen sehe. In einem der Kessel sind gerade wieder neue Erbsen angesetzt worden. Der doppelwandige Kessel fasst 400 Liter. Hier werden die Erbsen bis zu zehn Stunden schonend weichgekocht. Markus Konze schöpft ab und zu mit einer Siebkelle hindurch, um den Vorgang zu überprüfen. Da ist es gerade mal sechs Uhr morgens. Was in der Wanne sozusagen ‚reift’, ist nicht für den Markttag heute, sondern für den nächsten. Jetzt gilt es erst einmal die Kessel in der ‚Kanone’ mit den verschiedenen Gerichten zu beschicken. Gulaschsuppe natürlich, aber auch die berühmte köstliche Erbsensuppe. Markus Konze hat mehrere Gulaschkanonen im Einsatz. Um halb sieben ist die erste auf dem Weg zum Markt nach Gelsenkirchen.

Bottrop_Markt_5_400

Insgesamt sind es 25 Mitarbeiter, die bei dem Unternehmen helfen. Es wird konzentriert gearbeitet, zugleich aber auch mit einer ruhigen Gelassenheit. Das Arbeitsklima, das hier geschaffen wurde, ist freundlich und gut. Und so sind auch die meisten Mitarbeiter schon lange dabei. 1989 hat Markus Konze sich selbstständig gemacht. Bald feiert er sein zwanzigjähriges Jubiläum.

Bottrop_Markttag_16-400

Mittlerweile sind es schon zwanzig Jahre.

Kurz vor dem Aufbruch nach Bottrop wird noch rasch gefrühstückt. Markus Konze erzählt von den alten Zeiten, als die Kirchellener Bauern noch mit dem Pferdefuhrwerk zum Markt nach Bottrop kamen. In den fünfziger Jahren war das. Konze selbst kennt es aus Erzählungen. Und er erinnert sich auch noch an seinen Großvater, der in Münster eine Kneipe betrieb und per Fuhrwerk nach Bottrop kam, um hier Kohle zu laden. Münster hin und zurück per Pferdefuhrwerk.

Als wir von Kirchhellen aus zum Bottroper Markt aufbrechen, ist es halb acht. Das Wetter meint es gut mit uns. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint.

Bottrop_Markt_8_400

Markus Konze und Mitarbeiterin Ulrike Poborsky

Mit raschen, routinierten Griffen wird nun in der Fußgängerzone alles aufgebaut und vor allem werden nun die Kessel per Gasbrenner erhitzt. Hilfe beim Aufbau und dann später auch beim Bedienen der Kunden bekommt er von Ulrike Poborsky. Der Stand ist noch nicht ganz aufgebaut, da wird auch schon die erste Erbsensuppe verlangt und die ersten Bestellungen werden aufgegeben. Erbsensuppe zum Frühstück. Auch das gibt es in Bottrop. Viele Kunden lassen sich die Portionen aber auch in die berühmten roten Eimerchen füllen und nehmen sie mit nach Hause.

Bottrop_Markt_11_400

Das Tagesangebot wird ausgehängt.

Um eins ist der Markt vorbei, die Arbeit natürlich noch nicht. Zu Hause in Kirchhellen angekommen, muss nun die Gulaschkanone gereinigt werden, die Sachen für den nächsten Tag werden zubereitet, die Buchführung ist zu erledigen, Aufträge werden angenommen, neue Einkäufe sind zu planen. Der Arbeitstag geht in aller Regel bis um 20 Uhr. Was wie ein gemütlicher Einmannbetrieb in Bottrops Fußgängerzone aussieht, ist in Wirklichkeit in all seinen Arbeitsgängen ein sehr komplexes, größeres Unternehmen. Und dann kommt auch noch ein Partyservice hinzu, der ebenfalls Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt. Außerdem sind da noch die Politiker in Brüssel, die unaufhörlich neue Gesetze aushecken und wahrscheinlich auch vor den Maßangaben für Erbsen nicht zurückschrecken. Vieles ist bis ins Kleinste, bis in den Nanobereich vorgeschrieben. Um die Flut der EU-Gesetze zu bewältigen, muss man also noch weitere Arbeit investieren, und am besten wäre es, sich nicht nur mit der Gulaschkanone und den Vorgängen eines Marktes auszukennen, sondern nebenbei ein Jurastudium absolviert zu haben.

Bottrop_Markt_13_400

Markus Konze mit Elli Müller, die schon seit 15 Jahren mit ‘an Bord’ ist.

Um in all die komplexen Vorgänge, die zum Führen eines solchen Unternehmens dazugehören, richtig kennenzulernen, ist für mich natürlich ein Tag zu wenig. Aber dieser Tag, der mit dem für Markus Konze üblichen Aufstehen um vier Uhr begonnen hat, reicht, um wenigstens zu ahnen, welch gewaltiger Aufwand dahinter steckt. Es ist wahrlich nicht ein gemütliches Auftauchen zweimal die Woche auf dem Bottroper Markt, sondern eine Arbeit nahezu rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche, den Sonntag inklusive. Wie das mit Ferien ist, wage ich Markus Konze kaum zu fragen. “Eine Woche im Jahr”, sagt er. Dieses Jahr hat er es immerhin und wohl ausnahmsweise geschafft, sich im Januar für zwei Wochen loszueisen, um mit Prälat Rolf Linse Projekte der Bottroper Indienhilfe in Indien zu besuchen. Dieses Abenteuer hat er sich redlich verdient. Ob sich der exquisiten Bottroper Erbsensuppe auch ein indisches Curry hinzugesellt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall aber hat der Bottroper Markt mit dem ‘Mann an der Gulaschkanone’ ein besonderes Highlight.

 

botSPOT, 8. März 2008

<< zurück zur Übersicht

Anzeige:

Indienhilfe Bottroper
Realschüler
Weitere Infos ...