botSPOT sah sich in Bottrop nach Eseln um
Plädoyer für ein zu Unrecht verunglimpftes Tier

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

Esel

Ronja, Jonny und Merlin (v.l.)

In einem klugen Zeitungsartikel hieß es anlässlich des vergangenen Palmsonntags: „Wenn Sie einen ‚Esel’ sehen, begegnen Sie ihm mit Hochachtung.“ Das Wort ‚Esel’ war in Anführungszeichen gesetzt. Was soviel bedeutet wie: Der Esel ist in Wirklichkeit kein Esel, sondern ein höchst achtenswertes Tier. Immerhin hat Jesus, auf einem Esel sitzend, seinen Einzug in Jerusalem gehalten. Von daher also ist der Esel geadelt - und war es auch seit langem. Schon im alten Ägypten ritt der Vizekönig auf ihm, ebenso wie die anderen Würdenträger des Hofes. Auch Bankiers und elegante Damen bevorzugten ihn als Reittier. Auf einer griechischen Vasenmalerei sieht man den Gott Dionysos mit seiner Geliebten auf einem Esel reiten. Der Beispiele sind viele.

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Merlin

Nur hierzulande herrscht unausrottbar das Vorurteil vom ‚dummen Esel’. Geläufig ist jedem der Abzählreim „Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel, das bist du!“ Solche Verunglimpfungen des Tieres sind nur dadurch entstanden, dass der Esel intelligent genug war, nicht jeden Sack zur Mühle zu tragen, der ihm aufgebürdet wurde, sondern sich ab und zu weigerte. Eine solche Weigerung als Dummheit auszulegen war indes nichts anderes als die Rache erbitterter Müller.

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Ronja und Jonny

Als besagter Artikel zum Palmsonntag erschien, da war BOT.spot schon seit einiger Zeit auf der Suche nach Eseln in Bottrop. Dieses schöne, edle, nostalgische Tier schien ausgestorben zu sein. Suchanlass war der Zusammenhang mit dem Jakobsweg und der Bedeutung des Esels als Lasttier und Begleiter. Denn der Esel ist intelligent, mit wachen Sinnen begabt, treu, freundlich, orientierungssicher, genügsam. Auf dem Weg durch die Pyrenäen ist er jedem Pferd überlegen. Zudem ist er ein unterhaltsamer Hausgenosse. Wer einen hat, weiß seine Possen zu schätzen.

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Am Tappenhof, Kirchhellen

Die Suche schien hoffnungslos. Esel in Bottrop? Nie und nimmer. Aber dann bekamen wir einen Tipp. Und tatsächlich, in Kirchhellen entdeckten wir drei Prachtexemplare, die auf die Namen Merlin, Ronja und Jonny hören. Die Namen, die man bei dem Foto oben auf den Schildern sieht, beziehen sich auf Ponys, die mit den Eseln eine Wohngemeinschaft bilden. Bei angenehmem Wetter findet man alle zusammen auf einer Wiese am Tappenhof. Ist es draußen ungemütlich, vergnügen sie sich im Stall.

Wir finden es schön, dass es in Bottrop noch Esel gibt. Auch der Esel ist ein Stück Kultur.

botSPOT, 20. März 2008..

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