Power aus dem Bienenstock
1942 begann bei Horst Meysel die Leidenschaft für die Imkerei

 


Horst Meysel mit 'Smoker' bei der Wabenbegutachtung

Jeden Samstag sind sie auf dem Bottroper Markt und bieten Produkte rund um die Biene an: Horst Meysel und sein Sohn Thomas. Ein Schild am Stand verkündet: „Honig gibt es an allen Orten, der Imker aus Wulfen hat die besten Sorten.“ Wir probieren es mit einem Glas Waldblütenhonig aus. Es schmeckt in der Tat ausgezeichnet. Natürlich war die Neugierde geweckt. Wie gewinnt Horst Meysel seinen Honig? Ein Besuch in Wulfen war fällig. Mit dem Imker fuhren wir dann zu einem Rapsfeld in der Hohen Mark. Dort hat Horst Meysel zwei Bienenstände stehen.


Marktstand in Bottrop - Thomas und Horst Meysel

Die Kenntnisse, was so ein Bienenvolk betrifft, waren bei uns kaum noch vorhanden. Der frühere Biologieunterricht lag zu weit zurück. In der Erinnerung war nur noch geblieben: Ein Bienenstaat ist ein komplexer und sozial streng geordneter Organismus. Es gibt eine Königin, Arbeitsbienen und Drohnen. Mit Hilfe von Horst Meysel würden wir diese Kenntnisse vor Ort wieder anschaulich auffrischen.


Bienenstände am Rapsfeld

Das Wetter ist ausgezeichnet, aber es herrscht Ostwind. Die Bienen schwärmen an diesem Tag kaum aus. Nur vereinzelt finden sie sich an den Rapsblüten.


Biene an Rapsblüte

Dafür herrscht ein emsiges Gesumme in den Bienenständen. Bevor Horst Meysel den ersten öffnet, zündet er sich eine Pfeife an, den sogenannten ‚Smoker’. Darin verbrennt kein Tabak, sondern Tee. Der Rauch soll die Bienen beruhigen, ihnen ihre Stechlust nehmen. Vor Stichen hat Horst Meysel keine Angst. Er ist immun dagegen und ist auch ein gefragter Mann für die Rheumaforschung. Denn mit Rheuma hat er noch nie Probleme gehabt und man vermutet, dass Bienengift vor Rheuma schützt. Uns gibt er den Tipp, auf keinen Fall nach Bienen zu schlagen. Denn gerade die raschen Bewegungen nehmen sie wahr und stechen dann.


Horst Meysel mit 'Smoker'

Ein Bienenvolk hat etwa 50 000 Arbeiterinnen. Sie legen keine Eier, sondern sind nur zum Arbeiten da, das heißt zum Wabenbau, zur Pflege und zum Füttern der Brut und natürlich zum Sammeln von Pollen. Ihr Leben teilt sich dabei in zwei Abschnitte: Innendienst als Stockbienen, Außendienst als Sammelbienen.


Wabenbau

Fortpflanzungsfähig ist nur die Königin. In einer zapfenförmigen Königin- oder Weiselzelle wächst sie durch Fütterung mit Gelee-Royal heran. Sie ist größer und kräftiger als die anderen Bienen, weswegen man dem Gelee-Royal besondere, ans Zauberhafte grenzende Eigenschaften nachsagt. Ob das für Menschen so stimmt, sei zunächst einmal dahingestellt. Für die Königin trifft eine Wirkung sichtbar zu. Unermüdlich legt sie Eier, bis zu 2000 pro Tag. Das entspricht einem Mehrfachen ihres Körpergewichtes.


Die Königin (rot umrandet)

Die dritten im Bunde eines Bienenvolkes sind die männlichen Drohnen. Ihre Anzahl beträgt 500 bis 1000 Stück. Sie dienen nur der Fortpflanzung, begleiten die Königin auf ihrem Hochzeitsflug. Nach diesem Ausflug haben die Kerle ausgedient und werden von den Arbeiterinnen in der sogenannten Drohnenschlacht aus dem Stock vertrieben oder getötet.

Das sind ein paar Grundzüge aus dem Bienenleben. In Wirklichkeit geht alles noch viel komplexer und zugleich straff organisiert zu. Manche Rätsel wie etwa der erstaunliche Orientierungssinn der Bienen sind von der Forschung noch nicht ganz gelöst.


Irmelin Sansen prüft das Gewicht einer Honigwabe

Es ist früh im Jahr. Es wird noch eine Weile dauern, bis genügend Honig produziert worden ist. Dann nimmt Horst Meysel die verdeckelten Honigwaben aus dem Bienenstand, löst die Verdeckelung mit einer Gabel und schleudert den Honig mit einer Zentrifuge. Er wird mehrfach gesiebt, um Wachspartikelchen abzutrennen. Etwa drei Wochen lang wird der Honig täglich vorsichtig gerührt, bis sich eine feincremige Konsistenz ergibt. Abgefüllt wird erst, wenn er Streifen zieht und zäh fließt. Dann kommt er in Gläser und wird bis zum Verzehr kühl, trocken und dunkel eingelagert. Alle wertvollen Inhaltsstoffe bleiben auf diese Weise erhalten. Honig ist pure Power aus dem Bienstock. Er ist reich an Kohlehydraten, Enzymen, antibakteriellen Stoffen (Inhibine), Magnesium, Phosphor, Jod, Vitaminen, Aromastoffen und weiteren natürlichen Substanzen.


Honigkasten

Wir kommen an diesem Tag ohne Stiche davon. Horst Meysel selbst trifft es dreimal. Unbekümmert zieht er Wabenplatten heraus, zeigt sie uns, ruht nicht eher, bis wir auch die Königin zu Gesicht bekommen. Sie ist über die Störung ungehalten, verzieht sich zwischen den Kästen. Wir hoffen, dass sie zu den Waben zurückfindet. Falls nicht, müsste mit Gelee-Royal eine neue Königin herangezüchtet werden.


Propolis (Kittwachs zum Abdichten) - besonders kostbar

Solange der Raps blüht, verbleiben die beiden Bienenstände am Feldrand. Danach werden andere Standorte gesucht. Einige von Horst Meysels Völkern sind indes nicht nur für die Honigproduktion da, sondern stehen am Rande von Obstwiesen, wo sie sich um die Bestäubung zu kümmern haben. Was die Bedeutung der Bienen betrifft, soll kein Geringerer als Albert Einstein gesagt haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“


Entdeckung nebenbei - Maikäfer im Rapsfeld

Ob das Zitat wirklich von Einstein stammt, ist umstritten. Seine Biographen wissen nichts davon. Auf jeden Fall aber ist es gut erfunden. Es unterstreicht die immense Bedeutung der Bienen. Der Bienenstock selbst ist, wie wir uns an diesem Tag überzeugen durften, Speicher, Labor und Brutstätte in einem. Alles was die Biene braucht, sammelt sie dort selbst. Die Rohstoffe reichert sie an, spaltet sie auf, vermischt sie, bildet neue Produkte. Ohne die kenntnisreiche Betreuung durch einen Imker wie Horst Meysel wäre dies allerdings nicht möglich, und der Bottroper Markt wie auch andere Märkte der Welt wären um ein bedeutendes Produkt ärmer.

botSPOT, 16. Mai

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