Prälat Rolf Linse blickt mit der ‚Indienhilfe Bottroper
Realschüler’ auf 35 Jahre hilfreichen Wirkens zurück.
„Der Überfluß der reichen Länder muß für die armen sein!“

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Prälat Rolf Linse am Bottroper Indienstand mit drei Helfern
aus Eritreia (von l. nach r.: Yohana, Mike und Isayas Haile)

„Der Überfluß der reichen Länder muß für die armen sein!“ Dieser Satz stammt aus der Enzyklika ‚Populorum progressio’ (‚Über den Fortschritt der Völker’) von Papst Paul VI. Der Bottroper Prälat Rolf Linse hat ihn mit der ‚Indienhilfe Bottroper Realschüler’ zu einem Leitmotiv seines Wirkens gemacht. Im August 2007 kann er auf nun schon 35 Jahre zurückblicken. 52 Projekte vom Himalaya im Norden bis zur Südspitze Indiens werden unterstützt. Hinzu kommen 30 Projekte, die im Laufe dieser 35 Jahre eigenständig geworden sind.

Die Indienhilfe wurde von ihm im August 1972 spontan gegründet und erfuhr dann eine zunehmende Unterstützung durch die beiden Bottroper Realschulen, an denen er als Pfarrer tätig war. Die Schüler- und Schülerinnen waren und sind bei den zahlreichen Aktionen eine treue und zuverlässige Hilfe. Wichtig ist dabei für ihn der Hinweis, daß sie nicht einseitig auf Indien fixiert sind, sondern auch noch bei anderen Projekten wie etwa dem Verkauf von Caritas-Losen und Sammlungen für Müttergenesungswerk oder die Krebshilfe mitwirken.

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 Es sind vier Aufgabenbereiche, denen sich die Indienhilfe zuwendet: der Ausbildung von Behinderten jeglicher Art, der Ermöglichung des Schulbesuches, der medizinischen Versorgung für mittellose Patienten und der Ausbildung von Ordensnachwuchs. Hinzu kommt die Hilfe in zahlreichen Einzelfällen schlimmster Not.

Mittlerweilen ist die Indienhilfe nicht mehr alleine. Helfer in Deutschland und in Indien sind hinzugekommen. All das ist natürlich angesichts der globalen Verarmung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber Prälat Rolf Linse hält dem entgegen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ und “Um eine Wüste zu durchqueren, muß man immer wieder auf eine Oase treffen.“ Eine solche Oase will die ‚Indienhilfe Bottroper Realschüler’ in Indien unterhalten.

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2,8 Millionen Euro sind bisher zusammengekommen, wobei dieser Betrag in Indien die 15-fache Kaufkraft ausmacht. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mit 3,50 Euro monatlich ermöglicht man täglich eine warme Mahlzeit und einen Becher Milch. Man sieht, wie leicht eigentlich die im Überfluß lebenden Industrienationen dem ‚Drama des Hungers’ begegnen könnten.

70% der Einnahmen für Indien verdanken sich dem Verkauf von TransFair-Lebensmitteln, Dritte-Welt-Artikeln, gespendeten Büchern, Münzen, Briefmarken, Flohmarktartikeln, Kaffee und Kuchen bei Elternsprechtagen. Der Kauf von Produkten des ‚Fairen Handels’ ist ein besonderer Beitrag zur Armutsminderung. Denn es ist beschämend, dass die reichen Länder bzw. ihre Konzerne gerade auch im Zuge der Globalisierung die Preise ausbeuterisch diktieren, die harte Arbeit der kleinen Bauern und Landarbeiter nicht ausreichend bezahlen. Zitat aus dem empfehlenswerten Heft der Indienhilfe:

„Sie könnten keinen Kaffee oder Tee trinken, keine Schokolade oder Banane essen, kein Gewürz verwenden, wenn nicht Menschen in der Dritten Welt, oft unter schwierigsten Bedingungen, diese Produkte erzeugten. In Europa wächst nichts davon!”

Prälat Rolf Linse war schon 22mal in Indien. Erfahrungen und Kenntnisse vor Ort sind unabdingbar. Die Flüge hat er stets aus eigener Tasche bezahlt. Die Indienhilfe arbeitet unbürokratisch ohne Verwaltungskosten. Man kann sicher sein, dass jeder gespendete Cent die Armen in Indien erreicht. So überweist z.B. die ‚Bank im Bistum Essen’ jeden beliebigen Betrag kostenlos nach Indien.

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Den Verkaufsstand der ‚Indienhilfe Bottroper Realschüler’ findet man jeden Samstag auf dem Bottroper Markt vor St. Cyriakus. Am Montag, den 11. Juni um 17 Uhr ist im Katholischen Stadthaus, Paßstraße 2 die Ausstellungseröffnung ‘35 Jahre Indienhilfe Bottroper Realschüler’. Die Ausstellung geht bis zum 29. Juni und ist täglich (außer Sa/So) von 8 bis 20 Uhr durchgehend geöffnet.

Man kann das Indienprojekt auf vielerlei Weise unterstützen. Mit dem Kauf gerade auch der Produkte des fairen Handels, mit der Spende von Briefmarken, Münzen, natürlich auch gültigen Briefmarken und Luftpostumschlägen für die Korrespondenz. Und selbstverständlich auch mit Geldspenden. Die Kontonummer zu Gunsten der Behinderten, Kranken und armen Schüler/-innen in Indien ist:

653 100 31 St. Bonifatius Bottrop: Indienhilfe
Bank im Bistum Essen BLZ 360 602 95 

botSPOT, 28. Mai 2007

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