Johan Klopries – Bottroper Wiedertäufer
Bucksteeg-Publikation wieder erhältlich

von Rüdiger Schneider

Wiedertäufer-400

Taufe eines Mädchens während der Herrschaft der Täufer in Münster.
Täufer ist hier Jan van Leyden. Direkt hinter ihm die beiden anderen
Anführer der Täufer: links Stadtschreiber Bernd Krechting, rechts der
Scharfrichter und spätere Statthalter Bernd Knipperdolling.
(Historisierendes Bild, Franz Bähr, 1840)

Eine Publikation von Josef Bucksteeg über den Bottroper Wiedertäufer Johan Klopries (Ende des 15. Jahrhunderts – 1535) ist, nachdem sie längere Zeit vergriffen war, nun wieder im Stadtarchiv (Kulturzentrum August Everding) erhältlich. Es ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, etwas über eine nahezu vergessene Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts zu erfahren, zumal diese Person stets mit unzutreffenden Etikettierungen (nicht so bei Bucksteed!) versehen wurde. Ketzer, Schwärmer, Starrkopf, Anhänger der Vielweiberei, Weltuntergangsprediger, Utopist, sozialer Revolutionär sind solche Bezeichnungen. Allein schon der Begriff ‚Wiedertäufer’ hat einen denunzierenden Akzent, denn er ist einer reformerischen Bewegung von der Obrigkeit aufgezwungen worden. Die Bewegung selbst bezeichnete sich als ‚Täufer’.

Wenn es über Klopries heißt, ‚er brachte die ganzen christlichen Lande in Aufruhr’, so ist dabei als Hintergrund zu bedenken, dass eigentlich nicht er die Ursache des Aufruhrs war, sondern die despotischen Bischöfe, die zugleich auch Fürsten waren. Sie beschäftigten sich mehr mit Krieg, Jagd und Machtsicherung als mit der Umsetzung der christlichen Botschaft. Sie verpulverten mit ihren Kanonen im wörtlichen Sinne das Geld des zumeist leibeigenen Volkes, hielten sich Söldner und waren mit diesen mehr unterwegs als in der Kirche. Dieser Despotismus, der mit Inquisition, Kerker, Hinrichtung, Scheiterhaufen arbeitete, war der eigentliche Grund für den Aufruhr. Die Täufer selbst artikulierten nur, was das empörte Volk dachte, aber nicht zu sagen wagte, und sie hatten den Mut, in offener Predigt andere Vorstellungen zu unterbreiten. Nämlich: Abschaffung der Leibeigenschaft, gerechtere Verteilung der Güter, ein an der Bibel orientiertes Leben und dann eben eine Taufe aufgrund von Glauben und Einsicht (Bekenntnistaufe) und nicht per Verordnung direkt nach der Geburt. Es ist einleuchtend, dass die Fürstbischöfe durch ein solches Programm ihre Macht und ihre luxuriöse Lebensweise gefährdet sahen.

Belagerung-400

Angriff auf Münster durch die Truppen von Fürstbischof
Franz von Waldeck an Pfingsten 1534

In Münster kam es in den Jahren 1533 bis 1535 zum Finale. Die Täufer unter Führung des Niederländers Jan van Leyden hatten die Regierung übernommen, den Klerus entmachtet, das Privateigentum abgeschafft. Zur ersten Garde der Prediger in Münster gehörte auch Johan Klopries. Der aus seinem Herrschaftsbereich vertriebene Münsteraner Fürstbischof Franz von Waldeck zog mit seinen Söldnern einen Belagerungsring um die Stadt, die Täufer blickten dem Tod ins Auge. Ihre endzeitlich gestimmten Veranstaltungen wurden immer bizarrer. Klopries gelang es mit noch anderen Prädikanten (Predigern) im Oktober 1534 durch den Belagerungsring von Münster nach Warendorf zu gehen, um dort zu missionieren. Waldeck folgte mit einer Landsknechtstruppe, nahm Warendorf ein. Die Täufer in Warendorf wurden hingerichtet, Klopries selbst dem Kölner Kollegen Fürstbischof Hermann von Wied übersandt, der ihn auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ und damit auch Rache nahm für eine frühere Flucht von Klopries aus Kölner Kerkerhaft. Im Juni 1535 fiel dann auch Münster. Die Wiedertäufer van Leyden, Knipperdollinck und Krechting werden als Rädelsführer auf grausamste Weise gefoltert und hingerichtet, die Leichname in eisernen Käfigen am Turm der Lambertikirche aufgehängt und zur Schau gestellt. Die Käfige hängen immer noch da. Man darf fragen: Als Mahnmal wofür? Für Grausamkeit und Despotismus des Fürstbischofs Franz von Waldeck und seiner Kollegen oder als Mahnmal für einen zuletzt ausgearteten Fanatismus der Wiedertäufer? Vernünftig, zeitgemäß und im Einklang mit der lutherischen Reform waren sie zumindest am Anfang. Der katholische Tyrann und die aufbegehrenden Rebellen hatten sich gegenseitig in eine grausige Eskalation getrieben.

Das Stadtarchiv Bottrop stellt als Herausgeber mit der Schrift von Josef Bucksteeg eine ausgezeichnete und dankenswerte Publikation zur Verfügung, die auf 150 Seiten die Biographie des Johan Klopries liefert und auch die zeitlichen Hintergründe beleuchtet. Reichhaltige, aussagekräftige Dokumente sind beigefügt, so dass man zu einem eigenen, kritischen Bild dieser Zeit und damit auch der Person des Jan Klopries und seinem Anliegen kommen kann.

Heft6-350

Josef Bucksteeg: „Zu ihm strömte das Volk“.
Johan Klopries - Wiedertäufer aus Welheim am Deutschen Haus.
(Stadtarchiv Bottrop 2006, Heft 6, 150 Seiten, mit einem Vorwort von Heike Biskup) 

botSPOT, 23. Januar 2008

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