Tibetische Klangschalen
Entdeckungsreise in die Klangwelt von
Joachim R. E. Gutsche

 

von Rüdiger Schneider

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Fotomontage: BOT.spot

Die heilsame Wirkung des Klanges ist seit langem bekannt. Mehr und mehr ist das Interesse am Wissen alter Kulturen und ihrer Instrumente gestiegen. In einer Zeit, die mit Geräuschbelästigungen und Lärm nicht zimperlich ist, war eine solche Wiederentdeckung geradezu zwangsläufig und ging sogar bis zu solch exotischen Varianten wie der Pygmäenmusik, die sich mit den Tönen des Regenwaldes in Einklang setzt, oder den Akazienholzflöten der Tuareg, die mit dem Wüstenwind im Dialog stehen. Klassisch sind dagegen schon das australische Didgeridoo und die indische Sitar. Ich interessiere mich allerdings mehr für tibetische Klangschalen und besuche, da Lhasa zu weit ist, in Bottrop den Klangtherapeuten Joachim R. E. Gutsche. Kennengelernt hatte ich ihn im Hof Jünger, als er für die musikalische Umrahmung oder auch Einstimmung einer Ausstellungseröffnung sorgte.

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Joachim R. E. Gutsche bei einer Vernissage im Hof Jünger
Foto:R.S.

Klangschalen müssen nicht unbedingt aus Tibet kommen. Gutsche hat auch eine Reihe indischer Schalen und auch Schalen aus anderen asiatischen Ländern. Der Ort der Fertigung ist nebenrangig. Entscheidend ist, dass zu einem tiefen Grundton die hohen mitschwingenden Obertöne harmonieren und angenehme Resonanzeffekte im Körper auslösen.

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Eine Klangschalenmassage soll den Körper wieder in EIN-Klang bringen, Blockaden lösen, Entspannung bewirken. Joachim R. E. Gutsche, der an der Essener Folkwang-Musikhochschule studiert hat, stellt seine Klangtherapie auf eine wissenschaftlich nachprüfbare Basis. Die Wirkung der Klänge lässt sich mit Hilfe eines EEG (Elektroenzephalogramm), also der graphischen Darstellung der Gehirnströme, sichtbar machen. So ist der entspannende Einfluss guter(!) Klangschalen beweisbar. Ebenso wie nachweisbar ist, dass der Körper – das Bewusstsein bemerkt es nicht - Stress empfindet, wenn die Obertöne nicht harmonisch mitschwingen. Dann zeigt sich im EEG der dafür charakteristische Peak.

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Foto: Joachim R. E. Gutsche

 

Als Klangtherapeut gibt Gutsche in betonter Zurückhaltung kein esoterisches Heilungsversprechen, obgleich Heilungen selbstverständlich geschehen können. Und was Diagnosen betrifft, so gehören sie für ihn in die dafür zuständige Medizin. In vielen Fällen aber, und das ist ein Stück Erfahrung bei ihm, kann die Klangschale Auskunft über Problemzonen im Körper geben. Die Obertöne kommen dann mit veränderter Resonanz aus dem Körper zurück. Gesunde Zellen ‚klingen’ bzw. reagieren anders als kranke. An der University of California gibt es, so berichtet er, hierzu aufsehenerregende Experimente. Beobachtet man Zellen durch ein Elektronenmikroskop – d.h. die Zellen werden Betastrahlen ausgesetzt – und wandelt dann die Strahlen in Töne um, so ergeben sich, je nachdem ob die Zelle gesund oder krank ist, unterschiedliche Resonanzfrequenzen mit den Strahlen. Bei einer gesunden Zelle liegen die zurückkommenden Töne im C-D-Bereich, bei einer kranken verlassen sie dieses Spektrum der Naturtöne, sind disharmonisch geworden, sozusagen entgleist.

Setzt Gutsche die Klangschale am Körper an, so geht er behutsam vor, bepflastert einem nicht den Leib, so dass man sich vor lauter Balancebemühen nicht entspannen kann, sondern er setzt nur eine Schale entweder auf den Rücken oder den Bauch und passt dann die Anschlagrhythmik der Atmung an. Nun können die Klänge ihre psychologische und energetische Wirkung auf den Körper beginnen, zur Entspannung führen, Blockaden lösen, meditative Zustände bewirken. Die Klangschale muss nicht unbedingt am Körper ‚aufsitzen’. Sie kann auch in einiger Entfernung zum Klingen gebracht werden.

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Rand einer Klangschale
Foto: Joachim R. E. Gutsche

 

Joachim R.E. Gutsche arbeitet mit einem Klinikum in Duisburg-Wedau zusammen, gibt dort Kurse. Aber auch an Schulen kommt es zu interessanten, spannenden Einsätzen. So geht er zum Beispiel an einer Oberhausener Schule mit den Kindern auf Klangreisen, fördert damit autogenes Training, legt einen Klangteppich in den Raum und erzählt dazu die Geschichte von der Wolkenreise oder vom Zauberwald. Bewirkt wird durch den Klang eine meditative Entspannung, die auf andere Weise kaum möglich wäre, vor allem nicht bei Kindern, die sich rasch wieder neuen Eindrücken aussetzen wollen.

Auch besondere Klangorte probiert Gutsche aus. So etwa eine Höhle im Bergischen Land, wo er die Wirkung des Klanges in diesem speziellen Raum beobachtet. Denn auch Raum und Musik hängen zusammen, beeinflussen sich gegenseitig, bringen spezifische Resonanzen hervor, bilden einen besonders gestimmten Erlebnisraum.

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Klangexperiment in einer Höhle
Foto: Peter Dickmeyer

Neben seiner Tätigkeit als Klangtherapeut arbeitet er auch als Musiker und Komponist. So ist von ihm unter dem Pseudonym ‚Jo Evlyn’ zum Beispiel eine CD mit dem Titel ‘Cosmic Voices’ erschienen, die eine Vorstellung von den Klängen und meditativen Möglichkeiten der tibetischen Schale gibt. Wer mehr darüber erfahren will oder dem Klangerlebnis auch akustisch nachspüren möchte, dem sei seine Website empfohlen.

www.klang-und-entspannung.de

botSPOT, 10. Dezember 2007

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