Herzlich und informativ
Tag der offenen Moschee und interkulturelles Fest an der Prosperstraße

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

Nurettin Bozkurt, Vorsitzender der DITIB in Bottrop

Vom 1. bis zum 4. Mai gab es an der Prosperstraße den 'Tag der offenen Moschee', verbunden mit einem interkulturellen Fest. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, endlich einmal die Ditip-Merkez-Moschee kennenzulernen und einen ersten Einblick zu gewinnen in die Glaubenswelt des Islam. Immerhin leben in Bottrop ja über 6000 türkische Mitbürger. Dem interreligiösen Dialog kommt also eine besondere Bedeutung zu. Es ist der einzige Weg, um Vorurteile und Vorbehalte abzubauen und ein verständnisvolles Miteinander zu ermöglichen. Ich ertappe mich selber dabei, wie wenig ich eigentlich über den Islam weiß.

Nurettin Bozkurt, der Vorsitzende der ‚Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion’ (DITIB) führt mich in die Moschee. Natürlich müssen die Schuhe ausgezogen werden. Der Grund ist einfach. Innen ist die Moschee mit einem kostbaren Teppich belegt. Die Gläubigen knien nieder und berühren mit ihrem Gesicht den Gebetsteppich. Dieses Verhalten, das nicht nur rein hygienisch begründet ist, sondern auch eine respektvolle Handlung ist, hat der Islam zum Beispiel mit dem Buddhismus gemeinsam. Auch einen buddhistischen Tempel betritt man barfuß. Man lässt den Staub der Straße hinter sich.

Ein reich ornamentierter Raum mit kalligrafischen arabischen Schriftzeichen empfängt den Besucher. Meist sind es Verse aus dem Koran. Die gesamte Dekoration ist bilderlos. Das entspricht dem Bilderverbot im Islam. Man soll sich keine falschen Bilder machen von Gott und seinen Propheten. Das ist nichts anderes als ein Gebot der Demut und des Respekts. Denn mit einem Bild umreißt man etwas, legt fest.

Nurettin Bozkurt erklärt mir die Glaubensgrundlagen des Islam. Ich bin erstaunt über die Gemeinsamkeiten mit dem Christentum. Beide Religionen sind abrahamitisch, das heißt sie sehen Abraham als Stammvater. Fast zwanzig alt- und neutestamentliche Personen wie Adam, Abraham, Moses, Hiob, David, Johannnes der Täufer und natürlich auch Jesus Christus begegnen uns im Koran.

Natürlich gibt es bei allen Gemeinsamkeiten auch Gegensätze. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der Erbsünde. Nach christlichem Glauben verwirken Adam und Eva das Paradies, sind fortan von Gott getrennt. Der Islam sieht das nicht so gnadenlos. Auch da geschieht die Geschichte mit dem Paradies und dem Sündenfall. Aber Gott vergibt. Er ist souveräner. Er ist nicht verletzt oder beleidigt. Der Mensch hat sich selbst geschadet. Eine unsympathische Vorstellung? Gewiss nicht. Einer von vielen Ansätzen zum Dialog zwischen zwei Glaubensrichtungen.

Gebetsnische

Auch die einzelnen Komponenten in der Moschee bekomme ich erklärt. Ganz vorn und zentral in der Moschee befindet sich die Gebetsnische (Mihrab). Sie zeigt in Richtung Kaaba. Die Gebetsnische ist der Platz für den Vorbeter (Imam). Von dort aus betet er das Gebet vor und die Gemeinde betet nach. Auch Frauen können unter sich Imam werden und Gebete vorbeten und predigen. Die Vortragskanzel (Kürsü), von der aus gepredigt wird, befindet sich links von der Gebetsnische und ist mit der Kanzel in der Kirche vergleichbar. Ein hoher Predigtplatz (Minber) mit Stufen befindet sich rechts von der Gebetsnische. Er wird freitags nach der Predigt zwischen dem selbstständigen und dem gemeinsamen Freitagsgebet benutzt. Der Prediger hält seine Predigt stehend. Das Zuhören ist Pflicht.

Predigtkanzel

Die Gebetsrufergalerie befindet sich etwas erhöht hinten in der Moschee. Von hier aus gibt es den Ausruf zum Gebet. Generell wird der Gebetsruf in Deutschland innerhalb der Moschee ausgerufen und nicht von einem Minarett.

Eigentlich finde ich es bedauerlich, dass man in Bottrop neben den christlichen Glocken nicht auch den Ruf des Muezzins vernimmt. Ich denke an meine Arbeitsjahre in Bangkok. Dort ist das nie ein Problem gewesen. Die Buddhisten haben ihren Tempelgong, die Christen ihre Glocken und die Muslims das Minarett. In aller Selbstverständlichkeit lebt man in der thailändischen Metropole ohne Beeinträchtigung hinsichtlich der Religionsausübung zusammen. In dieser Hinsicht ist Deutschland noch Entwicklungsland. Aber das ändert sich ja vielleicht noch. Die Gemeinde an der Prosperstraße ist auf jeden Fall vorbildlich mit ihrem Integrationsprogramm. Die Moschee ist nicht nur Sakralbau. Sie hat auch Räumlichkeiten für Sprach- und Computerkurse. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen mit den christlichen Kirchen. Die Bottroper Suppenküche wird unterstützt. Die sogenannte Armensteuer gehört zu den fünf Säulen des Islam. Auch einen Fußballverein gibt es, ‚Barisspor’. Immer häufiger kommen die Anfragen von Deutschen, die Mitglied werden wollen.

Beim interkulturellen Fest auf dem Hof der Moschee geht es lebendig und herzlich zu. Türkische Volkstänze und Theaterstücke werden dargeboten. Man kann der Zubereitung leckerer Fladenbrote zusehen. Grillspezialitäten werden zubereitet, eine ganze Palette verführerischer Süßspeisen geboten. Petrus hat an diesen Tagen ein Einsehen. Die Sonne scheint, es ist warm. Neben Schwarztee, Mokka und diversen Kaltgetränken kann man den vorzüglichen Durstlöscher Ayran genießen, eine türkische Spezialität.

Erfreulich ist, dass der Tag der offenen Moschee immer größeren Zuspruch findet. Der nächste Tag der offenen Moschee ist der 3. Oktober 2008, und das interkulturelle Fest an der Prosperstraße wird im nächsten Jahr zur gleichen Zeit wiederholt.

Nach dem lebendigen Trubel im Hof der Moschee gehe ich auf dem Heimweg über den Bottroper Rathausplatz. Still und verschlafen liegt er in der Sonne. Eine einsame Taube trippelt über das Pflaster. Ein beeindruckender Gegensatz zum bunten, türkischen Nachmittag.

botSPOT, 8. Mai 2008

<< zurück

 

 

Anzeige:

Indienhilfe Bottroper
Realschüler

Weitere Infos ...