Das teuerste Buch Deutschlands –
Zum Welttag des Buches

von Rüdiger Schneider

 

Miniatur aus dem Evangeliar Heinrich des Löwen

Am 23. April ist der Welttag des Buches. Auch in Bottrop wird dieser Tag begangen. Die ‚Lebendige Bibliothek’ Bottrop bietet dazu ein buntes Programm an. (siehe Übersicht 'Veranstaltungen' - 'Lebendige Bibliothek')

Der 23. April wurde von der UNESCO 1995 zum weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren erklärt. Der 23. April hat zudem noch eine weitere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

botSPOT nimmt den Tag zum Anlass, einmal zu fragen: „Was ist eigentlich das teuerste Buch Deutschlands und wo befindet es sich?“ Das ist natürlich etwas für den Blick über den Tellerrand. Herausgekommen ist ein Geheimtip für eine kleine, aber feine Ausstellung, knapp drei Autostunden von Bottrop entfernt.

Farben für die Buchmalerei
Foto: botSPOT, aufgenommen in Helmarshausen

Das teuerste Buch Deutschlands ist das Evangeliar Heinrich des Löwen. Um genau zu sein: Heinrich der Löwe, Herzog von Braunschweig, hat es in Auftrag gegeben. Geschrieben und gemalt hat es der Mönch Herimann aus der Benediktinerabtei Helmarshausen. Helmarshausen ist ein kleiner Ort bei Bad Karlshafen an der Weser. Entstanden ist das Evangeliar um 1175 (Frühdatierung) oder 1188 (Spätdatierung).

Die Handschrift mit dem Text der vier Evangelien und 50 ganzseitigen Miniaturen gilt als das Hauptwerk der romanischen Buchmalerei des 12. Jahrhunderts in Norddeutschland. Auf abenteuerlichen Wegen gelangte das Buch 1983 in das Londoner Auktionshaus Sotheby’s und wurde für 32,5 Millionen D-Mark für Deutschland ersteigert.

Eine Zeit lang war es sogar nicht nur Deutschlands teuerstes Buch, sondern sogar das teuerste Buch der Welt. Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Bill Gates, und zwar 1995, für den ‚Codex Hammer’, eine Handschrift des Leonardo da Vinci, knapp 31 Millionen Dollar auf den Tisch legte. Das Manuskript hat seinen Namen vom Vorbesitzer, dem schwerreichen Armand Hammer, der es 1980 für 5,6 Millionen Dollar erworben hatte.

Grünspanherstellung für die Buchmalerei
Foto: botSPOT, aufgenommen in Helmarshausen

Aber auf Preise soll es hier gar nicht ankommen, sondern auf die Würdigung eines Kunstwerkes, dessen mühevolle wie auch geniale Herstellung beeindruckend ist. Das Original wird in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt. Ein prächtiges, dem Original kaum nachstehendes Faksimile befindet sich in Helmarshausen, im alten Rathaus, wo der Heimatverein Helmarshausen ein kleines Museum hat. Und hier werden nicht nur das Faksimile und einzelne Faksimileseiten mit prachtvollen Miniaturen gezeigt, sondern auch eine Ausstellung zur ‚Buchmalerei im Mittelalter’. Dem Besucher wird veranschaulicht, wie Pergament, Tinten, Farben im Mittelalter hergestellt wurden.

Unseren kleinen Beitrag zum Welttag des Buches schließen wir mit dem Stoßseufzer eines mittelalterlichen Mönches:

mittelalterliches Schreibwerkzeug
Foto: botSPOT, aufgenommen in Helmarshausen

„O glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse so das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, daß dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der ganze Körper leidet…“

Die Adresse der Ausstellung ‚Buchmalerei im Mittelalter’:

Heimatverein Helmarshausen,
Altes Rathaus Helmarshausen
Poststraße 40
34385 Bad Karlshafen-Helmarshausen
Tel.: 05672 / 789

Geöffnet:
Di + Do 9.00 bis 11.00 Uhr
Sa + So 15.00 bis 17.00 Uhr
Gruppenführungen auf Voranmeldung

botSPOT, 19. April 2008

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