4. Bottroper Chortage: Festival mit großem Spannungsbogen
Die Chorszene in Bottrop hat einen guten Klang

von Elsbeth Müller

Chor des Deutschen Bundestages
Foto: Manuela Franke, Andreas Barmscheid

Die Programme der 4. Bottroper Chortage konnten nicht in die Irre führen. Und das Festival – kein Event, auch keine Leistungsschau – wäre in seiner Form nicht möglich gewesen ohne die Künstler; weit über 1000 Sänger in 42 Gruppen als klingende Botschafter. Hörgenuss hier und da Faszination waren garantiert. Überhaupt war es eine wunderbare Gelegenheit, sich einen Eindruck von der seit langem gepflegten Bottroper Chorlandschaft zu verschaffen; über eine Woche musizierte sie auf hohem Niveau. Der erste Eindruck war immer die große Sangesfreude der Aktiven.
Zum Ausklang wartete die Veranstalterin (ABC –Arbeitsgemeinschaft Bottroper Chöre) mit einer vielfältigen „Wochenend-Kollektion“ auf. Vokalmusik: drei Programme an drei aufein- ander folgenden Tagen. Die Zuneigung war gegenseitig. So in der Aula Welheim, so in der Martinskirche, so zur krönenden Abschluss-Opern-Gala mit neuen Formationen und gleich drei Premieren im gut besetzten Saalbau: Es gab starken Beifall für die Interpreten und die Musik, die überall Klartext sprach.
Lebendige und rhythmisch durchpulste Gospelmusik, die Eingang in jedes Herz fand und ihr Wiederholen verdient, bescherte das Samstag-Debüt der 22 schwarz gewandeten Damen und Herren um Chorleiter Thomas Hesse. Der stilistischen Vielfalt dieser vitalen Musikrichtung (volkstümlich-religiöser Gesang, der in nordamerikanischen Kirchen vorherrscht) sind keine Grenzen gesetzt. Die Gruppe um Ludgerus – Gospel-Inspiration - „konzertierte“ mit längst auch bei uns gängigen Titeln („Amazing Grace“, „Kumbaya my Lord“ u. a.). Mit einigen anspruchsvolleren Werken dieses Genres setzte das Sängerteam auch Maßstäbe im a-capella-Fach (z.B. „Let my light shine bright“). Das große Plus: hohe Textverständlichkeit. So soll es sein, mehr davon.


Auf unzweifelhaft große Anerkennung stieß die „Aneignung“ des Opern-Repertoires zur Sonntags-Gala, zu der Raimund Kayser (ABC) alle Aktiven und das Publikum mit Ehrengästen herzlich begrüßte. Das schlicht kommentierte Konzert wartete mit neuen (Projektchor der ABC, Ltg. Elisabeth Otzisk, Ludger J. Köller, Bottroper Symphoniker, Ltg. Ludger J. Köller) als auch mit bestens vertrauten (Männerquartett 1881 Bottrop) Interpreten auf. Als Gäste: musikalisch überzeugende Solisten (Christina Meuers, Elisabeth Otzisk, Barbara Rosenkiewicz - Sopran, Stefan Lex – Tenor, James Tolksdorf – Bariton) und die „Musikgemeinschaft Deutscher Bundestag“, 40 Choristen unter der Leitung von Zarko Bulajic, die das chorische Highlight des Abends setzten. Beliebte Stücke aus „Tannenhäuser“, „Gräfin Mariza“, „La Traviata“, „Der Barbier von Sevilla“, „La Boheme“, „Der Freischütz“, „Fidelio“, vielleicht die Juwelen der Opernliteratur, standen auf dem Drei-Stunden-Programm. Das Auf- und Abtreten der Solisten und Choristen gehörte mit zur Choreographie und schuf durchaus spannungsvolle Übergänge. Schließlich war da noch der Vorzug, den Dirigenten und Orchestermusikern bei der „Entstehung der Interpretationen“ zuschauen zu können (was ein Orchestergraben nicht immer zulässt).

Die „Bottroper Symphoniker“ entführten gekonnt (besonders klangschön die Ouvertüren) in die historische Musikliteratur mit beliebten Ouvertüren, Arien und Chören von Mozart, Beethoven, Weber und Wagner, Puccini und Rossini bis hin zu Lortzing. Sie wurden konzentriert aufgeführt; ein, zwei Stücke im groß angelegten Sonntag-Abend-Programm, die man gern noch einmal hören möchte („Agathe“ im „Freischütz“ - Christina Meuers, „Zigeunerchor“ aus „La Traviata“ - Bundestagschor). Die „Gala“- Leistungen (wo ist schon alles rund?) honorierte das Publikum nach großem Abschlusschor (alle Interpreten) - verdient - mit überschwänglichem Beifall.

botSPOT, 5. Juni 2008

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